Der Tag, an dem der Maybach 62 geliefert wurde, war ein großer Tag. Es war ein Kingsize-, Premium-, Double-Corona-, Supa-dupa-Tag, aber leider war es eben nur ein Tag. Wenn ich allerdings etwa 420 000 Euro nachgereicht hätte, wäre dieses wundervolle Großwild bei mir geblieben, in diesem Fall könnte ich jetzt ein Auto mit zehn Airbags mein Eigen nennen, voller Nubukleder und Amboniaholz, mit Lenkradheizung und einem Fahrersitz, der einem den Rücken massiert.

Man muss nicht viel herumreden: Vermutlich ist dies das beste Auto der Welt, nicht das schönste, bestimmt aber das bequemste und technisch am meisten ausgefeilte. Der Maybach ist nicht nur ein Prestigeprojekt von Daimler-Benz, sondern auch ein auf den Erfahrungen der S-Klasse fußendes Experiment, das praktisch nicht schief gehen konnte - Vollkommenheit und Vollkommenheitswahn. Deutsche Ingenieure haben der Welt wieder einmal gezeigt, dass sie den längsten Wagen haben. Nicht mehr als 1000 Stück wird es pro Jahr davon geben, und sie werden nicht als Klone vom Band rollen, sondern in fürsorglicher Handarbeit gefertigt, ganz nach den Wünschen des Kunden.

Das Allerbeste bei dieser Art des erhabenen Autokaufes ist jedoch der Personal Liaison Manager, den man auf Lebenszeit (des Autos) gewissermaßen mit erwirbt. Unter Beistand des PLM hat man zuvor sein Exemplar erträumt und entworfen, aus seinen Händen erhält man es überreicht, und wenn der unvorstellbare Fall eintreten sollte, dass der Maybach mal eine Panne hat, schickt einem der PLM ein Ersatzgefährt, reist aus Stuttgart an, sorgt diskret für die Reparatur und stellt einem den Wagen wieder auf den Hof. Der PLM hat auch sonst ein offenes Ohr für Sorgen aller Art - wenn es eng wird, kümmert er sich sogar um die Opernkarten. Dieser Service beeindruckt mich.

Zurück zu meinem Tag: Die Frage, die ein Autotester sich stellt, lautet ja nicht: Was mache ich mit dem Wagen?, sondern: Was macht der Wagen mit mir? Zuerst krabbelt man über die Rücksitze, drückt hier einen Knopf, kratzt da an einem vermeintlichen Stück Plastik, das sich jedoch als lederüberzogen erweist, sucht nach Luxus-Gimmicks wie silbernen Sektkelchen und freut sich diebisch, wenn die eine oder andere elektronische Funktion etwas auf sich warten lässt. In einem Wort, zunächst macht einen der Maybach klein, aber derjenige stehe auf und zeige sich, der sich beim ersten Treffen nicht wie ein Bube benimmt.

Auch beim Fahren herrscht am Anfang leichte Befangenheit. Wer in dieses Auto eine Beule fährt, hat auf kein gutes Karma mehr zu hoffen. Der Impuls war, gleich bis Los Angeles weiterzurollen, weil man nur dort große Autos wirklich liebt und große Straßen für sie baut. Der Gedanke an Ausweichmanöver in Gassen ist nicht unbedingt erhebend, hinterm Steuer des Maybach wirkt Deutschland endgültig wie Legoland, oder um es mit den Worten Woody Allens zu sagen: "Wenn sich das Universum unaufhörlich ausdehnt, warum finde ich dann keinen Parkplatz?"

Jedoch war ich überrascht, wie schnell ich Zutrauen gewann, keinerlei Unbehagen, dass hinter einem 6,17 Meter und 2,8 Tonnen schieben, exquisites Fahrverhalten, kleiner Wendekreis. Ich erreichte ohne Blessuren die Autobahn. Und dann ging er wirklich ab, der gewaltige Deutschkoloss, er schnappte sich als Erstes einen kleinen gelben Porsche, dann fraß er einen Volvo-Kombi, der auf der linken Spur noch kurz zappelte. Zwei holländische Wohnwagengespanne ließen wir wegen Unverdaulichkeit rechts liegen. Ratzfatz riss er noch einen stolzen und zähen Verwandten aus der S-Klasse: Es gibt nur einen König der Löwen.

Bei 250 km/h ist der 12-Zylinder-Motor gebremst; mehr wäre vulgär. Zufrieden rollten wir also über die Landstraße zurück. Mithilfe des Abstandregeltempomats hängte ich mich 15 Meter hinter einen Fahrschul-Lupo und legte eine DVD ein. Ich war ein bisschen enttäuscht, dass der vordere TFT-Farbbildschirm aus pädagogischen Gründen schwarz bleibt, sobald der Wagen fährt. Sind Chauffeure unmündige Menschen? Nach einigen Kilometern hielt der Lupo an, der Fahrlehrer winkte mich unfreundlich vorbei. Er hielt einen am ganzen Leibe zitternden Schüler im Arm.