Eigentlich brauchte Deutschland kein neues Bier. Es gibt das herbe Pils, das kräftige Weizen, das obergärige Kölsch oder das untergärige Bockbier. Und viele davon noch alkoholfrei oder als Light-Version. Von A wie Augustiner Dunkel bis Z wie Zwiefalter Klosterbräu. Dazu noch die Biere aus dem Ausland.

Niemand hat auf B wie Beck’s Gold gewartet.

Trotzdem hat sich das neue Bier in den vergangenen Monaten seinen Markt erobert und die Schwelle von 250000 verkauften Hektolitern überschritten – eine Zahl, die auf einem zersplitterten deutschen Markt mit rund 1300 Brauereien etwas heißt. Allein damit wäre Beck’s schon unter den 100 größten Brauereien des Landes. Nimmt man die anderen Varianten ihres Bieres hinzu, ist Beck’s mit Abstand die Nummer eins. Im vorigen Jahr haben sie rund 5,5 Millionen Hektoliter gebraut, Krombacher rangiert mit knapp 4,9 Millionen Hektolitern an zweiter Stelle. Beck’s ist eine Tochter des belgischen Interbrew-Konzerns, dem auch die Brauereien Hasseröder, Gilde und Diebels gehören.

Nun also Beck’s Gold. Es ist ein ganz normales Bier, eines unter 5000, die in Deutschland gebraut werden. Es zischt beim Öffnen, schimmert hellbraun und schmeckt, wie Bier schmecken soll, nach Hopfen und Malz. Es kommt in einer Glasflasche mit Kronkorken daher, vorne drauf ein ovales Etikett – so wie bei vielen anderen auch.

Also, was ist daran nun so besonders? "Beck’s Gold gilt als schick", sagt Rudolf Böhlke, Biermarkt-Experte bei der Unternehmensberatung Ernst & Young. Als das Bier nach Pilsener Brauart vor knapp anderthalb Jahren das erste Mal in Bars und Diskotheken auftauchte, traf es offensichtlich den Geschmacksnerv der Verbraucher. Sie trinken es seither, weil sie ihre alten Lieblingsmarken als zu herb empfinden. Viele mögen es auch, obwohl sie bisher gar kein Bier mochten. Vor allem bei jungen Frauen kommt es gut an, haben Marktforscher herausgefunden.

Mit ihrer neuen Kreation ist der Bremer Brauerei Beck’s also gelungen, was bei deutschem Bier eigentlich nicht mehr geht: sich von den Wettbewerbern zu differenzieren. Denn der Geschmack lässt sich nur begrenzt abwandeln. Wenn in den Werbespots der Brauer zudem immer wieder grüne Landschaften und heimische Vogelarten auftauchten, "kann der Verbraucher die einzelnen Marken nicht mehr unterscheiden", sagt Unternehmensberater Böhlke. Den meisten Bieren auf dem deutschen Markt fehle ein eindeutiges Profil.

Also raus aus der Heimat. Rein ins exotische Urlaubsparadies, Strand statt Stammtisch. Bloß nicht gemütlich. In dem Werbespot zum neuen Bier stehen braun gebrannte Beautys auf einem Steg am Strand, lächeln ihren Freunden zu, die Abendsonne scheint warm auf sie herab, und alle greifen zu den Bierflaschen. Dazu singt die britische Sängerin Ayak eine Soul-Version des Beck’s-Liedes Sail away. Weiter kann man dem Klischee des Biertrinkers mit Bauch und akkurat gezapfter Schaumkronen auf dieser Erde nicht entfliehen.

Auch grün ist out. In Deutschland gehört Beck’s Gold zu den wenigen Bieren, die in transparente Glasflaschen gefüllt werden. Bisher sollten grüne oder braune Flaschen das Bier vor Licht schützen. Im Sonnenlicht verdirbt es schnell und müsste mit Konservierungsstoffen durchsetzt werden, was nach dem Reinheitsgebot nicht erlaubt ist. Die Bremer lösten das Problem nun, indem sie ihren Flaschen – eine technische Innovation – einen UV-Schutz verpassten. "Das transparente Glas unterstreicht das Image von Beck’s Gold – spritzig und frisch", sagt Ralf Reinemann von der Werbeagentur J. Walter Thompson in Frankfurt, die das Marketing zur Biermarke entwickelt hat. Außerdem gleicht es damit im Aussehen den mexikanischen Desperados und Sol, die als Szenebiere gelten. Genau wie sie gibt es Beck’s Gold ausschließlich in Flaschen. Wenn dann noch der Name Beck’s draufsteht, verkauft es sich leichter. "Die Marke hat einen sehr guten Ruf und gilt als Premiumbier", sagt Berater Böhlke.