Bei rechtsextremen Vorfällen wird in der Bundeswehr schnell und scharf geschossen: Der Abgeordnete Hohmann war noch nicht aus der Unionsfraktion geflogen, da war der Nachfolger des Generals, der dessen antisemitische Rede gelobt hatte, schon im Amt. Seitdem herrscht Stille um das Thema Braune im olivgrünen Milieu.

Zu Unrecht. Denn neue, noch nicht veröffentlichte Daten bestätigen einen zwar nicht überraschenden, aber dennoch ernsten Verdacht: dass Offiziersstudenten – die künftige Führungselite der Bundeswehr – deutlich weiter rechts stehen als ihre zivilen Kommilitonen. Und sie sind in jüngsten Jahren noch ein Stück weiter nach rechts gerückt.

Seit 1995 haben Arwed Bonnemann und Ulrike Hofmann-Broll (ab 1999: Christine Posner) vom Zentrum für Hochschulforschung und Qualitätssicherung (ZHQ) der Bundeswehruniversität Hamburg in drei Untersuchungen je drei Offiziersstudenten-Jahrgänge in Hamburg und München zu den Motiven ihrer Berufswahl befragt; jeweils knapp 60 Prozent der Fragebögen kamen ausgefüllt zurück. Vorbild und Vergleichsmaßstab waren die Studien der Konstanzer Arbeitsgruppe Hochschulforschung, die seit 1983 die politischen Einstellungen von Studenten untersucht. Mit der Befragung von 2002 verfügen die Hamburger Forscher nun über Daten aus einem ganzen Jahrzehnt, von 1991 bis 2001. Der Vorwurf von Verteidigungsminister Volker Rühe gegen die erste Studie ("nicht repräsentativ") hat sich somit erübrigt. Und, obschon die neueste Erhebung noch nicht vollständig ausgewertet ist, zeigen die ersten Ergebnisse schon jetzt: Die Muster sind bemerkenswert stabil.

– Auf die Bitte, sich im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung auf dem politischen Links-rechts-Spektrum einzuordnen, wählten die meisten Offiziersstudenten einen Standort rechts von der Mitte; 15 Prozent sogar orteten sich zwischen der Beschreibung "etwas rechts" und der Wand.

– Aufgefordert, sich selbst unter sechs politischen Grundkategorien zu platzieren, stimmten ein Fünftel der Studenten einer Typisierung als "national-konservativ" zu, rechts von "christlich-konservativ"; 11,5 Prozent beschrieben sich als besonders überzeugte National-Konservative. (Den größten quantitativen Sprung gab’s indes in der Kategorie "liberal", von 44 Prozent 1995 auf 58 Prozent 2002.)

– Nach ihrer Zustimmung zu einer Liste von 14 politischen Zielen befragt, zeigten die Militärstudenten besonders konservative Überzeugungen beim Fragekomplex "Abwehr von Fremden"; beim Ziel "Abwehr von kultureller Überfremdung" ist im Verlauf der drei Untersuchungen eine klare Bewegung nach rechts zu erkennen. Angesichts der Umorientierung der Bundeswehr zur "Landesverteidigung am Hindukusch" und der steten Vermehrung der Auslandseinsätze seit 1993 ist das ein Befund, der in der Bundeswehrführung die Alarmglocken klingeln lassen sollte.

Nicht wieder aufgenommen wurde ein Fragenkomplex zum Demokratieverständnis. Dabei geben die beiden früheren Studien (zu finden unter www.unibw-hamburg.de/ZHQ) sehr wohl Anlass, hier genauer hinzuschauen: 1999 fanden Bonnemann und Posner zwar eine "starke Mitte" von 50 Prozent, aber im Vergleich zu den zivilen Studenten überproportional große Gruppen von "rechts-konservativ" und "national-konservativ" Denkenden (19 bzw. 13 Prozent; 1995: 10 bzw. 6 Prozent). Bei der letzten Gruppe, schrieben die Forscher, fänden sich "Ansichten, die zum Teil als extrem zu bezeichnen sind und die dabei auch nicht mehr in jeder Hinsicht mit den demokratischen Prinzipien und Spielregeln zu vereinbaren sind. Dazu gehören nationalistische und fremdenfeindliche Positionen." Will sagen: Die Einstellungen dieser künftigen Truppenführer tendieren zum rechten Rand.

Was folgt aus alledem? Bonnemann und seine Koautorinnen warnen selbst davor, aus rechten Einstellungen voreilig auf die Bereitschaft zu extremem Verhalten zu folgern. Auch die Grenzen ihrer Methode haben sie stets betont: Ihr rein quantitativer Ansatz führt zwar zu statistisch sauberen Ergebnissen mit minimalen Fehlermargen, verzichtet aber dafür auf eine präzise inhaltliche Definition von Begriffen wie "national-konservativ". Ihr unbestreitbarer Verdienst allerdings besteht darin, bei den Offiziersstudenten eine im Vergleich zur zivilen Studentenschaft auffällig große Dunkelzone am rechten Rand des politischen Meinungsspektrums identifiziert zu haben.