China. War das nicht das Land, das in den siebziger Jahren über eine Kreuzung aus Mensch und Schimpanse als Idealastronaut für die Raumfahrt nachdachte? Das 2001 hybride Zellen aus Teilen von Hase und Mensch produzierte? Kurz: Das Land, mit ausgeprägt schwachen bioethischen Maßstäben? Und nun spricht sich das chinesische Gesundheitsministerium – nach Überwindung der Sars-Katastrophe politisch und personell gestärkt – für ein absolutes Klonverbot und scharfe Regeln in der biomedizinischen Forschung aus.

Mitte Oktober hat Gesundheitsministerin Wu Yi Regeln für einen "ethischen Rahmen reproduktionsmedizinischer und genetischer Forschung" im Internet publiziert. Wie dringend China gesetzlicher Vorgaben für die Embryonenforschung bedarf, zeigte sich einen Tag später im fernen Texas auf der Jahrestagung der American Society for Reproductive Medicine in San Antonio. Dort wurde bekannt, dass der US-Reproduktionsmediziner James Grifo von der Universität New York, sein aus China stammender Mitarbeiter John Zhang und Ärzte aus der südchinesischen Provinz Guandong einer Frau Eizellen entnommen hatten und deren Kerne in neue Eihüllen einer fremden Spenderin verpflanzten. Diese Ei-Konstrukte wurden mit dem Samen des Ehemannes der Patientin befruchtet.

Umstrittener Held der Medizin

Hatten die Ärzte in China erstmals Embryonen mit drei Eltern geschaffen, wie Zeitungen titelten? War die Chinesin zum Objekt eines ethisch fragwürdigen und medizinisch fehlgeschlagenen "Menschenversuchs" geworden, wie der Berliner Genetiker Jens Reich beklagte? Oder war es die letzte Hoffnung einer wegen Zelldefekten unfruchtbaren Frau, eigenen Nachwuchs zu bekommen, und Grifo ein Held des medizinischen Fortschritts?

Wie auch immer, James Grifo und John Zhang hatten gleich mehrere Hindernisse umgangen, die sich ihnen in den USA in den Weg stellten:

– Dort hätte die Mediziner nach einem bereits gescheiterten Genehmigungsantrag ein langwieriges Zulassungsverfahren der US-Aufsichtsbehörden erwartet. Den chinesischen Kooperationspartnern Zhuang Guanglun, Zeng Yong und Shu Yimin von der Sun Yat-Sen University of Medical Sciences genügte der Nachweis einer "seriösen" amerikanischen Projektbeteiligung als ethischer Persilschein.

– In China legen geltende Bestimmungen zwar den Verzicht auf experimentelles Einpflanzen manipulierter oder geklonter menschlicher Embryonen nahe; eine Überwachung findet aber kaum statt. Forscher können die amtlichen Vorgaben und Standards bei nur geringem Risiko ignorieren – sofern sie diese überhaupt kennen.

– Chinesische Patienten werden nur wenig über Risiken neuer Reproduktionstechniken aufgeklärt, ein Heer williger Versuchssubjekte nimmt für gesunde Nachkommen erhebliche Opfer in Kauf.