Mumbai im Oktober. Der kleine Mann im blütenweißen Hemd ist einer von der hartnäckigen Art. Kaum hat der Besucher aus Europa das Hotel an der Küstenpromenade verlassen, bietet er seine Dienste an. "Möchten Sie eine Stadtführung?", fragt er. "Schauen Sie doch kurz in mein Teppichgeschäft." Als der Mann bemerkt, dass sich der Fremde für ein kleines silbergraues Auto am Straßenrand interessiert, sieht er seine Chance: "Das ist ein Tata Indica. Tata ist überall, das Taj Mahal Hotel dort drüben gehört den Tatas. Die Familie ist berühmt, sie machen auch Tee, Telefone und Computer. Ihr Oberhaupt, Herr Ratan Tata, ist der reichste Mann in Indien."

Der kleine Mann verdient sich seinen Lebensunterhalt mühsam mit Provisionen von Ladenbesitzern, denen er Kunden zuführt. Aber er hat nicht übertrieben. Schon bei der Anfahrt vom Flughafen ins geschäftige Mumbai, den 16-Millionen-Moloch mit den meisten Millionären und dem größten Slum des Subkontinents, ist der Tata-Schriftzug omnipräsent. Tata Power wirbt für sichere Stromversorgung, Tata Internet Services für das Surfen im Netz, das Tata-Logo prangt auf modernen Kleinwagen genauso wie auf fast allen klapprigen Lastern, die mit ihren rußigen Abgasen die Luft verpesten.

Die Hafenstadt an der indischen Westküste, von den meisten Einwohnern immer noch Bombay genannt, ist das industrielle Herz Indiens und die Schaltzentrale der Tatas, der einflussreichsten Unternehmerfamilie des Landes. Dort residiert die Führungsgesellschaft Tata Sons mit dem 65-jährigen Chairman Ratan Tata an der Spitze, von dort aus werden die meisten der 80 eigenständigen Unternehmen des Konglomerats gelenkt. An die elf Milliarden Euro Umsatz erzielte die größte private indische Firmengruppe im Geschäftsjahr 2002/03, rund 2,4 Prozent des indischen Bruttoinlandsprodukts wird von den rund 220.000 Beschäftigten der Tata-Unternehmen erwirtschaftet.

Das Lieblingsunternehmen von Ratan Tata heißt Tata Motors. Und das soll jetzt beweisen, dass es das vermeintliche Dritte-Welt-Land nun auch bei klassischen Industrieprodukten mit den westlichen Multis aufnehmen kann. "Indien wird definitiv ein wesentlicher Player in der globalen Autoindustrie werden, und in diesem Kontext ist Tata Motors gut gerüstet, um eine Führungsrolle zu spielen", kündigte der selbstbewusste Wirtschaftsführer in der viel gelesenen Hindustan Times an.

Das Produkt, das die Globalisierung von Tata Motors vorantreiben soll, ist ein flott gestylter viertüriger Kleinwagen, der Tata Indica, "der erste vollständig in Indien entwickelte Personenwagen", wie Tata-Motors-Exportstratege Divyendu Kumar stolz erzählt.

Die Spur zum Ursprung des kleinen Autos führt 160 Kilometer weiter südlich nach Pune (Poona). Bis unmittelbar vor das Tor des Tata-Werkes herrscht indischer Alltag. Hässliche Betonklötze und windschiefe Behausungen aus Plastikplanen und rohen Brettern am Wegesrand, Motorrikschas, prächtig verzierte Uraltlaster, Mopeds und Ochsenkarren versuchen sich durch ständiges Hupen oder stoische Ruhe im Verkehrsgewühl durchzusetzen.