Fünfzig Jahre deutsche Nachkriegsliteratur. Dies so liebevoll wie sorgsam zusammengestellte Kompendium ist ein trefflich Schatzkästlein; treffend nämlich – will sagen: kenntlich machend – Entwicklungen, das frühwache Pulsfühlen der Akzente- Gründungsherausgeber Walter Höllerer und Hans Bender, denen der honorige Michael Krüger, nun selbst seit langem Herausgeber, mit dieser Zusammenstellung zum 50-jährigen Bestehen der Zeitschrift seinen Respekt erweist. Alle drei haben ihre Zeitschrift stets verstanden als "Mittel zur Kitsch-Abwehr".

Die Mischung ist so gelungen wie verblüffend, von Ingeborg Bachmanns großartigem Gedicht Curriculum Vitae über Martin Heideggers Frühwarnung vor unserem modernen Leben, "unstet durch die Jagd nach Vorteil und Erfolg, behext durch den Vergnügungs- und Erholungsbetrieb", bis hin zu Kurt Drawerts schlichtweg bewundernswertem Essay über Die Lust zu verschwinden im Körper der Texte; eine – falls es den Begriff gäbe – existenzielle Ästhetik.

Wobei ich schon bei einer Besonderheit dieser Anthologie bin, deren Fülle von Namen und Reichtum an Texten aufzuzählen mir fast frivol erschiene. Daher beschränke ich mich auf ein – durch die Jahrzehnte – aufscheinendes Signal, mal geblitzt und mal geblinzelt: Es erweist sich die Lyrik (wie das Nachdenken über ihre Grenzen und Grenzüberschreitungen) als das welthaltige Element. Das Gedicht, nur scheinbar rinngeschmeidig wie Wasser, ist das Harte. Des zirzensischen Rühmkorf:

Schwinge das Fackelscheit
Auf dem Tarquiniusritt,
Wenn die Ewigkeit
Auf der Stelle tritt

ist letztlich Menetekel, so gut, wie Artmanns so oft als Fröhlichkeit missverstandene Wortakrobatik Elegie ist: