Als er sich aufmachte, die Welt neu zu ordnen und das erste jener drei Prinzipien durchzusetzen, die später zu seinem unternehmerischen Markenzeichen werden sollten, war er, schreibt einer seiner Biografen, "ein ungewöhnlich hübscher junger Mensch". Ein Mann, der Jugend entwachsen, "sprachgewandt, beweglich", mit "wallenden blonden Haaren" und einem "Schuss Dämonie in den hellen Augen". Die Vergangenheit hatte er abgestreift, die armseligen Häuser und schmutzigen Gassen in Istanbul, die Zeit als Kuppler und Kellner, die Monate im Gefängnis. "Bedingungslos, skrupellos" hatte er sich angepasst; "Raffgier, Verschlagenheit, Herzenskälte" trieben ihn an. Schon vorher, jetzt in Athen wieder und bis an sein Lebensende. Als er in Monte Carlo starb, war er einer der reichsten Männer der Erde.

Im Jahr 1886 also hat Zacharias Basileos Zaharoff, später Sir Basil Zaharoff, einen Termin im griechischen Marineministerium. Als Vertreter der britisch-schwedischen Waffenfirma Nordenfeldt bietet er an, was bis dahin niemand besitzt: ein Kriegsschiff, das unter Wasser fährt. Die Griechen kaufen.

Wenige Wochen später bestellen die Türken – nicht ein, sondern zwei U-Boote. Erfolgreich hat Zaharoff den türkischen Marineminister vor dem Erbfeind Griechenland und dessen neuer Wunderwaffe gewarnt. Kurze Zeit darauf kaufen auch die Russen: vier U-Boote, aus Angst vor den Türken.

Die erste Zaharoff-Doktrin ist geboren: Verkauft wird an jeden, der kaufen will, ohne Loyalität und ohne Ansehen der Nation. In Griechenland ist Zaharoff Grieche, in der Türkei Türke, Russe in Russland. Weil er seinem ersten Prinzip treu bleibt, wird er in den nächsten Jahrzehnten zum mächtigsten Waffenhändler Europas werden. Er wird in den Chefzimmern der politischen Macht ein- und ausgehen, von 31 Nationen an die 300 Orden bekommen, in Hunderten Aufsichtsräten sitzen, seine Finger in Banken und Fabriken, in Werften, Hotels und Eisenbahngesellschaften haben. Er wird vom Krieg leben, und wenn es keinen gibt, wird er für ihn sorgen. "Ich machte Kriege, damit ich beiden Seiten Waffen verkaufen konnte", sagt er in einem seltenen Zeitungsinterview 1936, wenige Monate vor seinem Tod.

Zeit seines Lebens gilt Zaharoff als mystery man of Europe. So nennen ihn die Zeitungen, so und als "Mann im Dunkel" bezeichnet ihn der Berliner Journalist Richard Lewinsohn, der bereits 1929 versucht, Zaharoffs Geschichte nachzuzeichnen. Immer wieder verlieren sich seine Spuren. Der Mann taucht auf und verschwindet, er vernichtet, was über ihn dokumentiert ist. "Man forscht im Wiener Kriegsministerium, die Akte ist vorhanden, doch sie ist leer", schreibt in den dreißiger Jahren der Schriftsteller Robert Neumann. "Er tut, was er kann, damit das Bild verwackelt wird."

Wo und wann Basil Zaharoff geboren wurde, ob 1849 oder 1851 in Anatolien, Odessa oder Istanbul, als Türke oder Grieche, ist bis heute unklar. Seine Jugend soll er als Bordellschlepper und Gelegenheitskrimineller im Istanbuler Tatavla-Viertel verbracht haben. Verbürgt ist, dass er 1872 als Angeklagter vor einem Gericht in London auftaucht und sich danach als Kellner und Fremdenführer in Athen durchschlägt. Dort macht Zaharoff die Bekanntschaft eines reichen Politikers. Der vermittelt ihm die Arbeit als Agent für Nordenfeldt.

Die Konjunktur ist günstig. Der Balkan brennt. Türken, Serben und Griechen rüsten auf, die Russen werfen immer wieder einen begehrlichen Blick in den europäischen Süden. Zaharoff wird zum Handlungsreisenden des Todes, pendelt zwischen London und Athen, Sankt Petersburg und Wien. In Österreich begegnet er dem amerikanischen Ingenieur Hiram Maxim, dem Erfinder eines Automaten, der nicht viel größer ist als ein normales Gewehr, mit dem man aber einige hundert Schuss in der Minute abfeuern kann. Erst kämpft der Waffenhändler für Nordenfeldt gegen Maxim, dann verbündet er sich mit ihm. Das Maschinengewehr wird zum Verkaufsschlager. "Was für Perspektiven!", schreibt der Journalist Lewinsohn mit bitterer Ironie über das Erfolgsprodukt. "Man wird in Minuten ganze Kompagnien und Regimenter abmähen können!"

Aber die Folgen seines Tuns kümmern Zaharoff nicht. "Ohne Scham" sei das Motto der Firma, lässt George Bernhard Shaw in einem Bühnenstück den Rüstungsfabrikanten Andrew Undershaft sagen; für die Figur des Undershaft hat Zaharoff Pate gestanden. Shaw veröffentlicht Major Barbara 1905. Im selben Jahr erhält Zaharoff vom britischen Rüstungs-Multi Vickers mehr als 1,5 Millionen Goldmark Provision. Acht Jahre zuvor war der Waffenzar mit Maxim-Nordenfeldt für 1,34 Millionen Pfund unter Vickers Dach geschlüpft, jetzt ist er der beste Verkäufer des Konzerns. "Man könnte fast sagen, er war Vickers", wird die Londoner Times später seine Rolle beschreiben.