Es ist der Ton. Das brokatene Gespinst aus dunklen, glühenden Farben, die angeraute Klangoberfläche, der Ernst im Umgang mit den Großen der Kammermusik. Nicht einmal dem kleinen Menuett aus Mozarts d-Moll Streichquartett KV 421 will in der Lesart des Atrium String Quartets etwas Leichtfüßiges oder gar Tänzerisches anhaften. Schroffheiten bestimmen die Ausführung, harsche Gesten, und einer inneren Erregung wird offenbar nur mühsam, unter Aufbietung aller formalen Kräfte Einhalt geboten. Verbindlich ist nichts an diesem Spiel. Die Laufbahn des Atrium-Quartetts aber präsentiert sich preisgeschmückt, und das ist es wohl, was die EMI (B0000CAXIJ) bewogen hat, das Ensemble in seine (sonst eher durchwachsene) Debüt-Reihe aufzunehmen: zweiter Preis beim Moskauer Schostakowitsch-Wettbewerb, erster Preis beim Joseph-Joachim-Kammermusik-Wettbewerb in Weimar, strahlender Sieg beim Internationalen Streichquartett-Wettbewerb 2003 in London (nebst Publikumspreis). Auch die Liste der Lehrer ist Legion: Igor Levinzon in St.

Petersburg, Gerhard Schulz und Thomas Kakuska vom Wiener Alban Berg Quartett sowie Eberhard Feltz von der Berliner Hochschule für Musik Hanns Eisler.

Beste europäische Standards also für vier junge Russen, die sich ihrer eigenen Tradition sehr bewusst sind.

Kein Wunder, dass die Debüt-CD der St. Petersburger Alexei Naoumenko, Anton Ilyunin, Dmitri Oussov und Anna Goreleva ausnahmslos Stücke in Moll-Tonarten versammelt - neben Mozart noch Tschaikowskys Drittes Streichquartett op. 30 in programmatisch entlegenem es-Moll (!) sowie Schostakowitschs fis-Moll Quartett op. 108. Und natürlich unterstellt man den Interpreten, was das russische Repertoire betrifft, eine angeborene Kompetenz, ein natürliches Ergriffensein vom Klagelaut dieser Stücke. Das Atrium-Quartett stellt sich dem landläufigen Klischee der "russischen Seele" und dreht es weg von jeder folkloristischen Melancholie: Tschaikowskys langsamer Satz versteigt sich in fahle, gläserne Trauertöne, als bliebe die Musik sich selbst im Halse stecken, der Requiem-Verdacht erhärtet sich, Vortragsbezeichnungen wie "piangendo", "con dolore" oder "largamente" machen ihren sanglichen Namen sozusagen ex negativo alle Ehre. Auch Schostakowitsch formuliert in seinem kaum viertelstündigen siebten Streichquartett eine Totenklage, dem Andenken seiner ersten Frau Nina Veruschka gewidmet. Den bohrenden Bekenntnischarakter des Werks kontern die jungen Musiker weniger mit Pathos als mit nobler, technisch außerordentlich versierter Zurückhaltung. So bleibt der Komponist allein in seinem Schmerz, und dem Hörer wird Angst und Bange.