So weiß wie die Repräsentanz des Medienkonzerns Bertelsmann strahlt kein anderer Bau an der Straße Unter den Linden in Berlin. Es ist die Hausnummer eins, die wieder aufgebaute Kommandantur an der Puppenbrücke über die Spree.

Dort treffen am Mittwochabend dieser Woche einige hundert Bertelsmann-Manager aus aller Welt zu ihrem Strategiekongress zusammen. Sie werden im mehrere Stockwerke hohen Lichthof stehen – konzernintern Sky Chapel genannt–, und sie werden wissen, dass sie im Tempel angekommen sind. Im Tempel ihres Konzerns, um Antworten zu suchen: Wer sind wir? Und wohin wollen wir?

Der Strategiekongress von Bertelsmann wird viel über den Zustand des Unternehmens erzählen – und noch mehr über den Zustand der globalen Medienbranche.

Vorstandschef Gunter Thielen hat den Termin vorverlegt, weil er die Dringlichkeit spürt. Eine schon drei Jahre dauernde Medienkrise und die wiederholten Machtkämpfe zwischen Vorstand und Aufsichtsrat haben Bertelsmann, einen der größten Medienkonzerne der Welt, eine Organisation mit mehr als 70000 Mitarbeitern, tief verunsichert. Wie sehr, wurde erst vor wenigen Wochen wieder sichtbar. Als Gerd Schulte-Hillen, der Chef des Aufsichtsrats, den Konzern im Streit verlassen musste, schwappte eine mächtige Erregungswelle durch das Unternehmen. Das interne E-Mail-System brach darunter zusammen.

Thielen wird seine Manager also auf- und wieder ausrichten müssen.

Den Anfang machte er Ende der vergangenen Woche. Da gab der Vorstandschef bekannt, dass der Vertrag für eine Fusion der Bertelsmann Music Group mit dem Konkurrenten Sony Music unterschriftsreif sei. Musik ist das verlustreichste Geschäft im Unternehmen, und Thielen hat innerhalb weniger Monate eine Lösung gefunden, die vom Vorstand und den Gesellschaftern getragen wird. Jetzt müssen nur noch die Wettbewerbsbehörden zustimmen.

"Wir haben uns fast zwei Jahre lang auf Profitabilität, Schuldenabbau und Entwicklung der Kerngeschäfte konzentriert", erläutert Thielen seine Arbeit. Da ist die Fusion eine Etappe; eine Etappe, die zur großen Frage führt, über die Thielen am Freitag sprechen wird. Vor der Tagung wollte er sich nicht äußern, und im vorläufigen Programm heißt es nur "Bertelsmann Strategy". Aber am Freitag wird er sagen müssen, wie der Konzern noch wachsen kann.

Bertelsmann muss expandieren und über den Umsatz auch den Gewinn erhöhen. Die Logik des Marktes und der Druck der Konkurrenten verlangt es, auch wenn es nicht leicht ist, weil die meisten Mediengeschäfte wachstumsschwach sind. Wenn also der für die Buchverlage zuständige Vorstand Peter Olsen über "The Challenge of Expanding Market Leadership" reden will, dann könnte man das frei mit "Wachsen durch Verdrängung" übersetzen. Buch für Buch muss er die anderen aus dem Regal schieben und damit ist viel dazu gesagt, wie langsam und zäh das Geschäft geworden ist.