Mit Tränen in den Augen sitzt die 24jährige Informatikerin Nasme al-Ateia vor dem Fernseher in Bagdad. Immer wieder laufen Bilder vom zerzausten, graubärtigen Saddam Hussein über den Schirm. "Er hat sich ergeben. Einfach so, ohne Widerstand, was für eine Schande!" Die junge Irakerin wendet den Kopf ab, verzieht das Gesicht. "Wenn er sich selbst getötet hätte, würde ich jetzt sein Bild in meinem Zimmer aufstellen, auch wenn ich ihn nicht mag.

Dann wäre er ein Held. Aber so!" Der Vater aller Schlachten, der sein Volk in viele Kriege trieb, Saddam Hussein, gefangen wie ein Tier. "Ich wusste immer, dass Saddam ein Feigling ist", sagt Nasmes Bruder Basil, ein Bagdader Geschäftsmann, der als 18-Jähriger in den Iran-Irak-Krieg ziehen musste.

"Hitler hatte wenigstens den Mut, sich zu erschießen." Vom Palastkönig zum Erdlochbewohner - wirkungsvoller hätten die Amerikaner den gefürchteten Ex-Präsidenten nicht entmystifizieren können.

Die Verhaftung des Tyrannen ist für den amerikanischen Präsidenten George W.

Bush ein Geschenk des Himmels. Saddam Hussein hat am Ende seinen Widersacher Bush befreit, aus dem Gefängnis der amerikanischen Besatzungspolitik. Dass es nicht gut stand um Amerikas bewaffnete Botschafter der Demokratie, konnte jeder Besitzer eines Fernsehapparats erkennen. Amerikas Macht schien im Irak unter dem Widerstand von Selbstmord-Guerillas zu zerfallen. Die Helden von einst tauchten auf Amerikas Bildschirmen als Gejagte auf, von Stacheldraht, Panzerplatten und Mauern beschützt, die Heimreise zu oft im Leichentuch antretend. Die amerikanische Presse enthüllte in einer schmerzhaften Artikelserie, wie dilletantisch die Besatzung vorbereitet worden war.

Informanten berichteten, wie die Hardliner im Pentagon die Detail-Planungen des Außenamtes zur Seite gelegt hatten und stattdessen bloß mit ein paar Skizzen für die Nachkriegszeit eingerückt waren.

Vom Scheitern bedroht, des Fraktionskampfes in seiner Regierung müde, vollzog Präsident Bush in den vergangenen Wochen eine dramatische Wende seiner Besatzungspolitik. Er tat, was Präsidenten in so einer Lage zu tun pflegen: Sie konzentrieren die Macht im Weißen Haus. Es begann damit, dass der Präsident den hemdsärmligen Besatzungschef Jay Garner gegen den geschliffenen Paul Bremer austauschte. Das ist mehr als eine Stilfrage. Der zweite Statthalter im Irak gilt nicht als Günstling der Hardliner aus dem Verteidigungsministerium und hat, anders als sein Vorgänger, einen direkten Draht ins Weiße Haus. Er geht zuweilen mit dem Präsidenten joggen.