Die üblichen Patentrezepte: neue Schulstrukturen, Ganztagsschule, Reform der Lehrerausbildung. Nichts Neues also an der pädagogischen Front, und man ist geneigt weiterzublättern, um zu sehen, was Wolfram Siebeck als Weihnachtsmenü vorschlägt, käme dann nicht das, was Klaus Klemm über die Beweggründe junger Menschen, Lehrer zu werden, gehört haben will: Lehrer seien sie geworden, weil man sie in der gewerblichen Wirtschaft nicht gewollt habe, weil ihnen der Diplomstudiengang zu anspruchsvoll gewesen sei und die Hürde des Numerus clausus zu hoch. Mit einem Wort: eine negative Auslese - Lehrerzimmer in deutschen Schulen ein Tummelplatz für Versager.

Da darf man sich nicht wundern, dass die Arbeit von Lehrern so wenig Wertschätzung erfährt, wenn sich jemand, der sich nach eigenem Bekunden seit 30 Jahren mit Schule beschäftigt, so wenig differenziert äußert. Weiterhin: Es ist ein leichtes, aus dem sicheren Refugium der Studierstube andere abzuqualifizieren. Was zählt, ist die Front. Und ein Letztes: Hat er, der mit angehenden Lehrern zu tun hat, alles getan, um offensichtlich ungeeignete Kandidaten auf ihrem Marsch in die Schule, wo sie doch nur Unheil anrichten, zu stoppen? Auch das ist schwieriger, als nur darüber zu reden.

Bernd Schlieter, Waldeck

Klaus Klemm vertritt die Meinung der "Bildungsforschung", Klassenfrequenzen hätten nur wenig Einfluss auf die Leistungen der Schüler. Damit liefert er den Bildungssparern die Argumente. Er unterschlägt, dass er nur dann Recht hat, wenn auch die Bedingungen für den Unterricht verändert werden. Das ist aber nicht der Fall. Statt 25 Schüler werden eben 35 Schüler in eine Klasse getan. Damit verringert sich etwa in den Fremdsprachen der Sprechanteil der Schüler erheblich, im Experimental- und Sportunterricht sind in der Regel gar nicht genügend Materialien für so viele Schüler vorhanden, Hausaufgaben müssen noch flüchtiger nachgesehen werden, Rückmeldungen für die einzelnen Schüler fallen noch knapper aus. Was aber das Schlimmste ist: Die so dringend benötigte Zuwendung verteilt sich auf noch mehr Kinder. Hoffentlich lassen sich die vorbildlichen Finnen nicht von Klemms "Bildungsforschung" verunsichern. Sie haben kleine Klassen und wissen, warum.

Achim Sigge, Lippstadt

Ist es nicht merkwürdig, dass, seit der Manager als Krone der Schöpfung gefeiert wird und die Vertreter der Wirtschaft sich selbst unermüdlich als Leistungsträger par excellence und nun auch noch als Gralshüter der "Bildung" medienwirksam in Szene setzen, es sowohl mit der Bildung als auch mit der Wirtschaft abwärts zu gehen scheint? Bildung nährt sich aus geistigem Interesse oder sollte dies tun, während bei der Ökonomie doch schon per definitionem das Materielle im Vordergrund steht. Natürlich möchte ich deshalb auch nicht auf mein Gehalt verzichten. Aber "die Wirtschaft" sollte genauso wenig die Bildung für sich vereinnahmen wollen wie die Banken das Wetter, das sie ständig "präsentieren". Beides wird dadurch nicht besser.

Ernst-Ulrich Schadow, Erlangen