Da bin ich, etwas unscharf und etwas ungekämmt, aber live und in Farbe auf meinem eigenen Fernsehmonitor. Ich soll grünliche, halb durchsichtige Geister fangen. Oder mit Tellern jonglieren. Oder Ufos vor dem Absturz bewahren. Ich springe nach oben, um einen Feuerwerkskörper zum Explodieren zu bringen, und schlage wild um mich, um die maskierten Ninja-Kämpfer abzuwehren.

Hoffentlich beobachtet mich gerade niemand durchs Fenster, während ich kleine Affen von ihren Wolken herunterschubse. Wer mich von draußen im Wohnzimmer herumfuchteln sieht, denkt wahrscheinlich, dass ich den Leuten im Fernsehen zuwinke. Oder dass ich ganz einfach eine Macke habe, wie ich so vor der Glotze zappele. Gegen einen Roboter zu boxen ist übrigens ganz schön mühsam. Auf meiner Stirn haben sich kleine Schweißperlen gebildet.

Der Grund für meine Aerobic-Show vor dem Fernseher ist eine kleine Kamera, die seit einigen Tagen auf der Kiste steht: Eyetoy, ein neues Zubehör für die Computerspiel-Konsole Playstation2, das Körperbewegungen in ein Videospiel übersetzt. Wie in Steven Spielbergs Film Minority Report, in dem Tom Cruise die Computer-Bilddatenbank mit Handbewegungen durchforstet, interagiert der Körper des Users direkt mit den Daten im System. Und der Spieler kann sich fühlen, als würde er nur durch seine magischen Gesten die Welt verändern.

Eyetoy hat sich in Deutschland 300000-mal verkauft, seit das Gerät Anfang September auf den Markt kam. Nach dem Weihnachtsgeschäft, so schätzt man bei Sony, wird diese Zahl auf eine halbe Million gestiegen sein. Logitech, der Hersteller der Kamera, hat gerade die höchsten Quartalsgewinne in seiner Unternehmensgeschichte bekannt gegeben. Bei amazon.de steht Eyetoy auf Verkaufsrang 14.

Für 60 Euro bekommt man zusammen mit der Kamera zwölf kleine Spiele: zum Beispiel Kung Foo, bei dem man Angreifer vom Bildschirm wischt wie lästige Fliegen. Oder Wishi-Washi, bei dem man Fenster reinigen muss. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist nun das Musik-Spiel Groove erschienen, bei dem man sich zu Hitparaden-Songs bewegen muss. Bisher steuerte man solche Spiele über Joysticks, Gamepads oder andere Controller. Die bekamen in den letzten Jahren immer mehr Knöpfe und begannen allmählich kleinen Computertastaturen zu ähneln. Bei Eyetoy muss sich niemand merken, wann man die R1-Taste drücken muss und wann die mit dem blauen Kreuz. Jetzt ist der Spieler selbst das Eingabegerät.

"Je komplizierter die Eingabe für Computer-Games wird, desto mehr wächst der Bedarf nach einer ganz einfachen Spielsteuerung", hat Winnie Forster, Autor eines Buches über Joysticks, beobachtet. Die verworrenen Controller würden Anfänger abschrecken. "Ein Spiel wie Eyetoy hat mehr mit Münzautomaten zu tun als mit den komplizierten PC-Spielen von heute. Automaten muss man in kürzester Zeit verstehen können, damit man losspielen kann", sagt Forster.

Eyetoy setzt eine Klientel in Bewegung, die eigentlich den Ruf hat, nur von ihrem Sofa aufzustehen, um mehr Chips zu holen: die Gamer. Für die liefert das Eyetoy-Spiel Groove gleich ein Programm, das die Kalorien zählt, die man verbraucht, wenn man sich vor dem Fernseher verrenkt.

Games, die wie ein Fitnessprogramm für couch potatoes wirken, sind in den letzten Jahren in Mode gekommen. Zuletzt konnte man in den Spielwarenabteilungen deutscher Kaufhäuser kleine, dickliche Jungs zu Popmusik vor Spielkonsolen herumspringen sehen. Der Grund: Bei dem neuen Genre der Tanzspiele bekam der Spieler dafür Punkte, dass er auf elektronischen Fußmatten die richtigen Schrittkombinationen ausführte. Das Spiel Samba de Amigo wurde mit Samba-Rasseln ausgeliefert, die man im richtigen Takt schwenken muss; in Japan gibt es mit Tatacon sogar ein Spiel, das man durch Schläge auf die traditionellen Taiko-Trommeln steuert.