Georges de la Tour: Die büßende Magdalena" um 1640. Das Bild gehört zu einer ganzen Reihe von Magdalenen-Darstellungen, über die Jacques Thuillier schreibt: "Magdalena wurde seit alten Zeiten in Sainte-Baume, der berühmten Grotte in der Provence, verehrt, und der Magdalenenkult erlebte gerade einen neuen Höhepunkt und eine neue theologische Rechtfertigung. In der großen Tradition des mystischen Denkens zu Beginn des Jahrhunderts repräsentierte Magdalena die reine Liebe. Historisch und symbolisch gesehen entsprach sie dem Menschen, der, von Natur aus und der Tat nach sündig, nur durch die Liebe zu Gott erhoben wird." Der Autor zitiert danach eine längere schwämerisch-mystische Passage des Kardinals von Bérulle, die eine ähnlich seltsame Mischung aus Gottesfürchtigkeit und erotischer Faszination enthält wie die Bilder von Georges de la Tour. Dieser mit einem ausführlichen, historisch einordnenden und interpretierenden Text versehene prachtvolle Bildband rückt den Motiven mit derben Vergrößerungseffekten zu Leibe, sodass der Totenschädel, Zeichen der Sünde und der Vergänglichkeit, in scharfen Kontrast zu der quasi unschuldigen nackten Schulter des jungen Mädchens gerät. Georges de la Tour (1593 bis 1652) war in seiner Zeit ein berühmter Mann, geriet in Vergessenheit und wurde erst 1972 von Jacques Thuillier durch eine Ausstellung in Paris ins Gedächtnis der Öffentlichkeit geholt. Jetzt ist die deutsche Übersetzung der Monografie erschienen.

Jacques Thuillier: Georges de la Tour

Aus dem Französischen von Bettina Blumenberg - Editions Flammarion, Paris 2003 - 280 S., 75,- e