Ein Jahr "herber Rückschläge" sei 2003 gewesen, sagt DGB-Chef Michael Sommer, ein Jahr, in dem "einiges zerbrochen ist". Deutschlands oberster Gewerkschafter klingt müde, als er das sagt, und nicht sehr hoffnungsvoll.

Ein Jahr "wachsender Enttäuschungen" habe er erlebt, meint Frank Bsirske, mit "Mobilisierungsschwächen" und "schlechteren Beziehungen zur Politik". Der ver.di-Vorsitzende sagt das sehr nüchtern, aber auch ein bisschen resigniert.

2003, "das war ein Jahr schmerzhafter Erkenntnisse", findet Klaus Wiesehügel, der erste Mann der Baugewerkschaft; "ein Jahr, in dem wir unserem Gegner in die Hände spielten", sagt IG-Metall-Vize Berthold Huber. "Ein Jahr der Zäsur", nennt es Hubertus Schmoldt, der Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie.

Viel Freude haben die Spitzenfunktionäre der deutschen Gewerkschaften nicht, wenn sie auf das Jahr 2003 zurückschauen. Es waren zwölf Monate voll bitterer Niederlagen. Im Osten Deutschlands ging ein richtungsweisender Streik verloren, in Berlin der Kampf um die Reform des Sozialstaats. Überall büßte man an Rückhalt ein, in der Bevölkerung und sogar bei der eigenen Basis. Von einer Gestaltungsmacht der Gewerkschaften war nichts zu spüren. Nicht einmal ihre Vetos wirkten. Die Tarifautonomie konnten sie im Vermittlungsausschuss am Wochenende gerade noch verteidigen – aber sonst kaum etwas von dem, was ihnen lieb und teuer ist.

Und nun?

Niederlagen gab es schon öfter. Ein schlechtes Image hatten die Funktionäre bereits vor diesem Jahr. In der Defensive sind sie seit langem. Aber vielleicht noch nie in der Geschichte der Republik hatten Deutschlands Arbeitnehmer-Vertreter politisch weniger zu sagen. Der Dialog mit der Politik, meint Michael Sommer, sei "deutlich schwieriger geworden". Als Partner, sagt Hubertus Schmoldt, werde man "sehr viel weniger anerkannt". Das ist ein Schock.

Die Funktionäre verkannten die Stimmung völlig

Und eine Zäsur. Sie begann mit Gerhard Schröders Agenda-Rede am 14. März im Bundestag. Nicht nur, was der Kanzler sagte, wirkte wie ein Donnerhall – mehr noch, dass es ausgerechnet ein Sozialdemokrat war, der den Bruch mit sozialstaatlicher Tradition befahl. Bitter war auch die Erfahrung, dass man die eigene Basis gegen Schröder kaum mobilisieren konnte. Mindestens zweimal erkannten die Spitzen der Gewerkschaften die Stimmung nicht – oder wollten sie nicht erkennen. Hunderttausende sollten im Mai auf die Straße gehen, es wurden 90000. Der ausbleibende Protest, meint einer der Chefs, "machte die Niederlage perfekt".