Adventskränze, Lichterketten, Weihnachtsbäume auch, das kommt jetzt alles wieder in Gang, und Andachten, Gebete für den Frieden, gegen das Elend, gegen die Kriege; und Gott sieht sich das alles, hört sich das alles an, versteht das alles (selbst die, die sich irren, versteht er ja). Mir geht das ähnlich, ich glaube, man kann das ohne viel Anmaßung so sagen, wir haben Gott im Lauf der Jahrtausende wirklich so gut kennen gelernt, dass wir ruhig sagen können: Ja, wir begreifen die Lage, in die er da kommt, wir sind in einer vergleichbaren.

Da sind diese Lichterketten und Gebete und Andachten, hier für die Christen, anderswo für die Juden und wieder anderswo für die Muslime, und die einen beten so, die anderen so (und die einen gefallen einem, die anderen begreift man, wo ist da der Unterschied?), und viele, ich zähle mich dazu, bringt das alles überhaupt nicht weiter – und wohin denn auch?

Um einen Rat also wenigstens könnte man Gott natürlich ersuchen, allenfalls, aber dann bedenke ich, dass er ja eben in einer ganz ähnlichen Situation ist, und ich sage mir schließlich, dass man also nicht so sehr zu Gott beten müsste, sondern zuerst einmal für ihn, denn seine Situation, wenn er sehen muss, dass die Menschen denken, er habe den Durchblick und könne raten, ist wirklich fatal. Das wäre das Richtige, für Gott beten – aber zu wem, nicht wahr?

Nietzsche sagte einmal, das Höchste, wozu es der Mensch bringen könne, sei Mitleid mit sich selbst; ich glaube, allmählich lässt sich einsehen, was er da gemeint haben wird. Und wenn ich mir nun die Lichterketten, die Krippenfiguren und das viele Beten ansehe, dann fürchte ich, oder wie man dieses Gefühl nennen soll, dass Gott es wahrscheinlich zu diesem Mitleid, mit sich, längst schon gebracht hat.

Oder vielleicht sollte man vorher noch Hans Küng in Tübingen anrufen, der ja, mit seiner Weltreligionsidee, so eine Art Gebetsleitstelle, eine Koordinationszentrale aller Gottheit eingerichtet hat, so etwas wie eine Himmels-UN. Zwar früher, als der eine Gott es mit jenem hielt, der andere mit diesem, und Göttinnen waren auch noch dabei, in den alten Kriegen, fungierte der Olymp als diese UN, und das Ende war immer, dass sie dann alle hinabsahen auf die rauchenden Trümmer und nach einem Weilchen wieder in ihr berühmtes unauslöschliches Gelächter ausbrachen – vielleicht nun, dass heute Küng sie zu so etwas wie einer Resolution bringen könnte, zur Vernunft gewissermaßen.

Aber gerade das war ja immer die Crux mit den Göttern (das war auch ihr Charme, war ihre Stärke): Sie haben keine Vernunft, und bringt man sie dazu, dann sind sie weg, bis auf den einen, der nun irgendwo in einer dunklen Himmelsecke sitzt (aber der ganze Himmel ist dunkel) und weint. Unendlich rührend, sicher; aber sehr hilfreich ist das natürlich auch nicht.