Die netten Autogefühlsbeschreibungen sind wahrscheinlich die umwelt- und verkehrspolitisch wichtigsten Stücke in der ZEIT. Sie geben auf eine charmante und elegante Weise dem verehrten ZEIT-Leser, der ja auch Autokäufer ist, die Absolution für das Produktdesign heutiger Autos.

Sie und Ihre Kollegen (sind ja nur wenige Frauen dabei) bestätigen besonders mit Blick auf Sport- und Edelautos das Steinzeitgefühl: Groß und schnell ist geil. Wie gesagt, charmant vorgetragen (mit Metaebene).

Sie zitieren, dass der Wagen doch nur 11,1 Liter verbraucht. Augenzwinkernd?

Leider wird in Ihrem Test gefühlsmäßig dann nicht festgestellt, dass dieser Verbrauch, der in der Stadt mit Klimaanlage wahrscheinlich 15 bis 18 Liter beträgt, nicht besonders witzig ist.

Ich kritisiere nicht das hervorragende Format der netten Autotests (ich weiß, die sollen subjektiv und gefühlsbeschreibend sein), sondern ich kritisiere Ihre Assoziationen und Gefühle. Die sind so was von unoriginell und Steinzeit. "Er lässt den Audi TT bereits hinter sich, ohne dass man sich das Begehren, es diesem eingebildeten Typen da vorn zu zeigen ..." Ich dachte am Anfang dieser Serie, das sei ironisch. Dies ist aber leider der hundertste ZEIT-Redakteur, der diesen Spaß macht. Das finde ich nicht nur unoriginell, sondern soziologisch interessant. Es beweist: In der ZEIT steht viel Vernünftiges über Klimaschutz und Verkehrspolitik. Und es ist auch ZEIT-Redakteuren natürlich bekannt, dass der Verbrauch und das Produktdesign (zum Beispiel Gewicht) heutiger Pkw ein großes Problem darstellen mit Blick auf Klimaschutz und Verkehrssicherheit. Gefühlsmäßig ist das aber bei ZEIT-Redakteuren nicht angekommen. Sie machen sich zwar auch ein bisschen lustig über die eigenen Autogefühle, aber im Grunde bestätigen Sie die angebliche Faszination eines solchen Sportwagens und das transportierte Image.

Martin Unfried Maastricht/Niederlande