Eigentlich wollte die Bundesregierung die Handwerksordnung gründlich entrümpeln und die Zugangsbeschränkung zu vielen Berufen streichen. Bisher muss ein Handwerker, der einen Betrieb gründen und Nachwuchs ausbilden will, bei 94 geschützten Berufen einen Meisterbrief besitzen; nur noch für 29 sollte dieser Meisterzwang künftig gelten. Nach der Vermittlungsrunde bleibt diese Zugangsbeschränkung immerhin noch für 41 Berufe erhalten; in allen anderen kann künftig auch ein Geselle nach sechs Jahren einen Betrieb aufmachen. Ausgeschlossen bleiben "gefahrengeneigte Gewerke" (wie Kraftfahrzeug-Handwerk und Gesundheitsberufe), wo der Schutz des Verbrauchers höher wiegt als der ungehinderte Berufszugang. Kurioserweise zählen dazu jedoch auch Konditoren und Friseure.

Der Reformschritt war überfällig. "Der Meisterbrief ist eine lupenreine Marktzutrittsbeschränkung", kritisiert etwa der Würzburger Ökonomieprofessor Norbert Berthold. Die Schutzmauer führe dazu, dass Wettbewerb ausbliebe und weniger Betriebe gegründet würden. Tatsächlich nimmt die Zahl der bestandenen Meisterprüfungen seit Jahren massiv ab; sie lag 2002 unter 28000, wobei etwa 33000 Jungmeister und -meisterinnen nötig wären, um eine ausreichende Zahl von Existenzgründungen zu garantieren.

Im Europäischen Binnenmarkt ist das deutsche System einzig. Handwerker in den Nachbarländern kennen keine vergleichbare Zugangsbeschränkung, dürfen aber ihre Kunden ungehindert in allen EU-Ländern (also auch in Deutschland) suchen. Schon um diese Diskriminierung von Inländern gegenüber Handwerkern aus den anderen EU-Ländern zu beenden, war die Reform der Handwerksordnung dringend geboten.

Klaus-Peter Schmid