Als er 1930 auf der Opernbühne debütierte, lautete sein herzlichster Satz: "Mich bangt es um den Jüngling." Das singt der Sprecher in Mozarts Zauberflöte über Prinz Tamino. Hans Hotter kam damals, 21-jährig, in Troppau noch nicht auf die Idee, solche Sorge auf sich selbst zu richten. Er war Bassbariton und unbekümmert in seinem Kunststreben. Doch zwei Jahre später gab er den Amfortas in einem Breslauer Parsifal, und in dieser Rolle spürte er selbst die volle Wucht des Leids - eine existenzielle Erfahrung. Von da an war es eine von Hotters Lebensaufgaben, öffentlich um Erlösung zu ringen, vornehmlich bei Wagner. Clemens Krauss holte ihn 1937 nach München, das für Hotters internationale Reisen über den mythischen Regenbogen des Ring und die Weltmeere des Holländer ein sicherer Hafen wurde. In München übernahm er in seinem Fach auch die Geburtshilfe bei mehreren Strauss-Opern. Stets stand seine turmhohe, archaische Statur in auffälliger Korrespondenz zu seinem Timbre, das empfindsam und weich im Legato war. Wotanische Probleme mit Intonation und Stimmfärbung, auf manchem Bayreuth-Mitschnitt nicht zu leugnen, stellte er mit Disziplin ab. Das Lyrische im Heroischen blieb sein Erkennungsmerkmal. Hotters Panorama war übrigens weiter, als es die knarrende Schublade vom "Heldenbariton" gestattete: Er sang Verdi und Berg, Puccini und Rossini (mit Begabung fürs Komische), Schubert und Mussorgskij. 1974 trat er von der Bühne ab, kehrte aber, wie um den Regenbogen seines Lebens zu erden, 1988 noch einmal in eine Münchner Zauberflöte zurück, natürlich als Sprecher, nun mit weltweisem Bangen um den Jüngling. Hans Hotter ist jetzt 94-jährig in München gestorben.