Stolz dürfen die Deutschen sein auf das schockierende Ende des jüngsten Hamburger Terrorprozesses. Dieser Justizskandal, die Haftentlassung des mutmaßlichen Atta-Helfers Abdelghani Mzoudi, ist kein deutscher, sondern ein amerikanischer. Mzoudi ist frei, weil Washington dem Gericht lediglich über Umwege mitteilte, dass der Chef-Logistiker der September-Attentäter (er sitzt in US-Haft) den Angeklagten entlastet habe. Ob dessen Aussage glaubwürdig ist, kann das deutsche Gericht nicht prüfen - der Zeuge ist gewissermaßen US-Eigentum. Also mussten die Richter nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" die Zellentür öffnen. Wie entnervt sie darüber sind, zeigt der Ton ihres Beschlusses.

Leider hat US-Justizminister Ashcroft die Botschaft nicht verstanden.

Stattdessen pries er die rechtlichen Strukturen seines Landes - sie könnten die nationale Sicherheit besser gewährleisten. Ach ja? So wie gerade jetzt die Exklusivverwertung von Schlüsselzeugen des Mega-Attentats vom 11.

September? Schade, dass Ashcroft nicht merkt, wie er mit dieser Geheimniskrämerei den Septemberverschwörern in die Hände spielt.

In Washington mag man schwer verstehen, dass deutsche Gerichte nicht aus transatlantischer Solidarität blindlings verurteilen. Aber so ist das nun mal. Die Anschläge vom 11. September mögen die Weltordnung aus den Angeln gehoben haben, nicht aber den deutschen Rechtsstaat.