DIE ZEIT: Herr Dreyer, in Stralsund will der Bürgermeister die örtliche Sparkasse verkaufen – am liebsten an eine private Großbank. Ist das der Anfang vom Ende der deutschen Sparkassen?

Karl-Joachim DREYER: Nach der Absichtserklärung von Stralsund, die Sparkasse verkaufen zu wollen, werden jetzt sicher weitere finanzschwache Kommunen darüber nachdenken. Wir erleben also tatsächlich einen Anfang: Die traditionelle Trennung zwischen Sparkassen, Privatbanken und Genossenschaftsbanken bricht auf. Aber das wird nicht das Ende der Sparkassen in Deutschland bedeuten. Allerdings werden sich die Sparkassen ändern müssen, um dauerhaft zu überleben.

ZEIT: Darf ein Bürgermeister seine Sparkasse einfach so verkaufen?

DREYER: Natürlich kenne ich die Stimmen, die sagen, so etwas widerspricht dem Sparkassengesetz. Aber es gibt einen Weg, den auch wir bei der Haspa schon einmal diskutiert haben, als wir uns für eine Sparkasse interessiert haben. Man kann die Aktiva aus der öffentlich-rechtlichen Anstalt herauskaufen, und dann bleibt nur die Hülle übrig.

ZEIT: Der Sparkassenverband in Berlin läuft Sturm gegen den Verkauf einzelner Sparkassen, wie jetzt in Stralsund. Warum sind Sie dagegen so entspannt?

DREYER: Die Privatisierung einer Sparkasse ist kein Drama. Es ist zwar mehr als pikant, wenn die privaten Großbanken jetzt die Sparkasse Stralsund kaufen wollen, schließlich haben sie sich aus dieser Region vor gar nicht allzu langer Zeit zurückgezogen. Aber ein Drama wäre der Verkauf dieser Sparkasse sicher nicht. Es ist ja auch noch gar nicht ausgemacht, dass beim Bieterverfahren wirklich eine private Großbank zum Zuge kommt.