die zeit: Herr Barenboim, die Berliner Opernstiftung ist beschlossene Sache. Ist dies das Ende der Unabhängigkeit der Staatsoper Unter den Linden, von den anderen Häusern ganz zu schweigen?

Daniel Barenboim: Man hat uns versprochen, mit der Stiftung gebe es keine Querfinanzierung. Dennoch fängt man damit an, eine halbe Million Euro von der Staatsoper abzuziehen, um sie der Komischen Oper zu geben.

zeit: Mit Querfinanzierung meinen Sie, dass Überschüsse, die Ihr Haus erwirtschaftet hat, an die beiden anderen notleidenden Bühnen weitergereicht werden.

Barenboim: Verstehen Sie mich richtig: Ich gönne der Komischen Oper nicht nur eine halbe Million Euro zusätzlich, sondern viel mehr. Wenn man das richtig findet, soll man es machen. Aber man soll bitte nicht behaupten, es werde keine Querfinanzierung geben. Mal ganz abgesehen von den 7Millionen Euro, die der Kultursenator Anfang 2003 der Staatsoper weggenommen hat, weil er woanders Schwierigkeiten hatte. Die Stiftung ist von einer ungesunden Mischung aus Pragmatismus und Ideologie gekennzeichnet.

zeit: Was meinen Sie mit "Ideologie"?

Barenboim: Der Bund sagt: Wir sind offen für alles, nur für eines nicht, die Übernahme eines Hauses. Das nenne ich Ideologie. Ich glaube nicht, dass hinter der Stiftung schreckliche Intrigen stecken. Im besten Fall ist sie blauäugig, im schlimmsten Fall eine Mischung aus Verzweiflung und Heuchelei.

zeit: Sie glauben, man traut sich bloß nicht, eine Oper zu schließen, und gründet eine Stiftung, um den Eindruck zu erwecken, man könne alle erhalten?