Am besten ist das Ende. Der Schriftsteller Nathan Zuckerman versucht, das Leben seines ermordeten Freundes Coleman zu recherchieren, und fährt durch eine verschneite Landschaft. Es herrscht dieses mattweiße Licht eines Wintertages, der keine Farben kennt, nur die schwarze Grafik der Bäume, den grüngrauen Schatten des Nadelwalds am andern Ufer und davor die weiße Fläche des Sees. In der Mitte hockt Les Farley, der Verrückte, der Mörder, und angelt Fische durch Löcher, die er mit einem Bohrer ins Eis getrieben hat. Zuckerman weiß, dass er es war, der den alten Coleman und seine junge Freundin Faunia von der vereisten Straße in den Fluss gedrängt hat. Jetzt aber wirkt Les ganz bei sich selbst und erklärt, warum der Platz so gut ist: Das Wasser ist rein, die Natur noch unbeschädigt. Der beschädigte Les (Ed Harris) ist der Einzige, der aus dieser düsteren Geschichte weniger beschädigt herauskommt, als er vorher war, der Einzige, der mit sich im Reinen ist. Das schließt mit ein, dass er den Eisbohrer nehmen und Zuckerman erschlagen könnte. Der macht sich davon.

Am besten ist der Anfang. Coleman und Faunia fahren durch eine verschneite Landschaft. Es herrscht dieses mattweiße Licht, und Coleman steuert den Volvo über die vereiste Landstraße. Faunia hat sich an ihn geschmiegt, und Coleman fährt ganz langsam, des Eises wegen und dieser Zärtlichkeit wegen. Die beiden lieben sich, das sieht man. Da taucht der rote Lkw auf, und jetzt geht alles sehr schnell.

Robert Benton erzählt die Geschichte, die Philip Roth in seinem großartigen Roman Der menschliche Makel (Hanser Verlag, 2002) aufgeschrieben hat, aber er verkürzt sie auf die Liebesgeschichte. Das ist ganz schön, weil wir die beiden wunderbaren Schauspieler Anthony Hopkins und Nicole Kidman immer ganze nahe vor uns haben, und sie machen ihre Sache gut: Er, der emeritierte Professor; sie, die entgleiste Tochter aus gutem Haus, die nun als Putzfrau ihre Existenz fristet. Kidman legt ein bisschen zu viel Schmackes in die rotzig-trotzige Analphabetin, aber hübsch ist sie, und man glaubt ihr, dass sie den Alten liebt, der sich mit Viagra auf die Sprünge hilft und mit Zuckerman (Gary Sinise) auf der Veranda seines Hauses sentimentale Tänze tanzt.

Das ist ganz schön, aber sehr brav nacherzählt. Wer das Buch nicht kennt, begreift die politische Dimension der Geschichte nur mit Mühe. Der zornige Angriff, den Roth gegen die bigotte Selbstgefälligkeit des akademischen Milieus führt, geht ins Leere. Auch der dunkle Punkt in Colemans Biografie wird kaum als der springende sichtbar: Coleman ist schwarzer Herkunft, aber gibt vor, ein Weißer zu sein. Die Rückblende zeigt eine schwarz-amerikanische Musterfamilie und die unglückliche Liebe zwischen dem jungen Coleman (Wentworth Miller) und der süßen, blonden Steena (Jacinda Barrett), aber die Dramatik des Seitenwechsels geht unter.

Während der große Roth eine Sprachsymphonie vieler Stimmen und Klänge komponiert, bleibt Benton ein sorgfältiger, aber simpler Realist. Da kommt dann bloß eine zartbittere Romanze heraus. Wer sie anguckt, begeht sicherlich keinen Fehler. Ziemlich unbeschwert verlässt er das Kino und hat vielleicht Lust, den ungleich härteren, kunstvolleren Roman zu lesen.