Chinesen zu Besuch im Kanzleramt. Thema: der Kauf der Brennelementefabrik in Hanau. Nur zu zivilen Zwecken, nicht wahr? Ja, nicken die Asiaten. Darf die internationale Atomenergiebehörde IAEA das kontrollieren? Warum nicht. Bekommen wir es schriftlich? Aber gewiss doch.

So soll es Ende vergangener Woche in Berlin zugegangen sein. Ein einziges Theater. Seit Jahrzehnten Atommacht, besitzt China ausreichende Mengen an Waffenplutonium, um nicht auf eine Anlage wie die in Hanau angewiesen zu sein. Die Brennelemente, die in dieser Fabrik hergestellt werden können, sind als Vorprodukte zur Gewinnung von Waffenplutonium denkbar ungeeignet. Peking braucht die Technik erst recht nicht für die Herstellung einer so genannten schmutzigen Bombe, die strahlendes Material ohne Kettenreaktion verteilt. Die ist nur etwas für nukleare Habenichtse, insonderheit Terroristen. Und wollte China sie aus unerfindlichen Gründen dennoch bauen, hätte es genug andere radioaktive Substanzen dafür.

Unterdessen wurde sogar gemutmaßt, die Chinesen wollten die Fabrik gar nicht aufbauen, sondern lediglich ausschlachten, um die Roboter, Staubfangkästen und Plastikhandschuhe für andere finstere Zwecke zu verwenden – als ob solche Apparate einzeln nicht billiger und mit weniger Aufsehen zu haben wären.

China sieht jedenfalls kein Problem darin, Inspektoren ins Land zu lassen. Doch weil es dazu weder völkerrechtlich verpflichtet ist noch die Vereinbarung einer entsprechenden Klausel vorgeschlagen hat, ist klar, wer die Kosten dieser überflüssigen Kontrolle tragen müsste: die Bundesrepublik. Das ginge in die Millionen – eine teure Gewissenspflege für jene, die nicht damit leben können, dass Deutschlands Atomausstieg eine vorübergehende nationale Marotte ist. Zum weltweiten Ausstieg könnte es allenfalls kommen, wenn sich ein weiterer Großunfall ereignete. Doch bisher wirkte die Beteiligung deutscher Techniker an Nuklearanlagen just diesem Risiko entgegen.