Gunter Sachs tat es. Die Beatles taten es. Skibobfahren war einmal eine sehr beliebte Betätigung für wintersportlich Orientierte. In den sechziger und siebziger Jahren raste man hordenweise mit dem mordsschweren einspurigen Sitzski, der einem Holzfahrrad ohne Räder ähnelte, die Pisten runter. Donnerte mit Karacho an den Skiläufern vorbei. Schwänzelte um Slalomstangen. Und lachte über alle, die bei der Schussfahrt auf den Bretten stehen mussten. Um ein Haar wurde Skibobfahren olympische Disziplin. Doch das Ding kam in Verruf. Und wurde vergessen. Neulich lud der WSBV e. V., der Westdeutsche Skibob-Verband, zum Schnupperkurs.

Von "Trendsport" war die Rede, "Snowbiking" heiße das heute, die Amis seien verrückt danach. Auf nach Bottrop!

Es gab damals und gibt noch heute drei Vorurteile gegen den Skibob. Nummer eins: Er ist ein Gerät für den Behindertensport. Nummer zwei: Er ist ein Altherrenspaß. Nummer drei: Er zerkratzt mit seiner Krallenbremse die Skihänge. Nur Nummer drei stimmt nicht. Seit 40 Jahren haben Skibobs keine Bremsen mehr. Die Bestätigung der anderen Vorurteile liefern wir vier auf überzeugende Weise: Susanne hat nach einer OP kaum mehr Muskeln am Bein; Burkhard, 50, hat Schneephobie; Fred, jenseits 60, hat’s schlimm mit dem Knie; und Jacqueline, alterslos, hat ebenfalls Schneephobie. Schneephobie heißt: Man hat alles versucht, Schlittschuhe, Abfahrtsski, Langlaufski, Schneeschuhe – immer bekam man nur Schmerzen, wo Fun versprochen war. Jetzt, hier, heute Abend in Bottrop, hat der Schnee seine allerletzte Chance.

Wie sieht eigentlich ein Affe auf einem Schleifstein aus? Wahrscheinlich wie ein Mensch auf einem Skibob. Das Ding hat die Größe eines Kinderfahrrads. Die moderneren Geräte erinnern mit dem hochgezogenen Lenker und der langen Sitzbank tatsächlich an das gute alte Bonanzarad. Walter lehrt uns, die Sitzbank zwischen die Knie zu klemmen ("Knieschluss"). Unsere Füße zieren stummelförmige Kurzski. Wir sollen jetzt die Fahrradgriffe umklammern, den Körper nach vorn durchsacken lassen – und losfahren. Einfach so. Idiotenhügel? Brauchen wir nicht! Vorfahrt achten, einmal quer über die Piste, und wenn die Wand mit der Bierreklame nahe kommt, bergauf lenken. Wir fahren, lenken, stehen. Kein Sturz. Kein einziger. Perfekt!

Fahren und stehen, fahren und stehen. Das ist genau, was man immer wollte. Kein Zerren an den Sehnen, keine auseinander strebenden Ski, kein Stürzen und hilfloses Krabbeln im Hang. Bisschen Hüfteinsatz, bisschen Kurzbretter in den Schnee gestemmt, schon klappt auch eine schärfere Kurve, klappt der "Schwung". Und schließlich sogar der Stoppschwung, fernes Ziel aller Skianfänger – wir machen das en passant. Nach nicht mehr als einer Stunde sagt Walter: "Und jetzt die Mutprobe!" Mutprobe kann nur heißen: Schussfahrt! Bevor das Herz in der Hose versinken kann, sausen wir schon hinter Walter her hangab, mit einem Affenzahn. Bestimmt flattern unsere Ohren im Wind. Mit Topspeed um die letzte Kehre, auslaufen lassen – bravo! War eigentlich einfach. Reine Vertrauensübung, das. Der Weltrekord liegt bei 180 Stundenkilometern.

Dass es mit dem Lernen so flott klappt, liegt auch daran, dass wir das Wichtigste schon kennen, vom Fahrrad, vom Mofa, vom Motorrad. Man lenkt überwiegend mit dem Körper. Fast alle könnten snowbiken, sagt Walter. Nur extrem Unsportliche nicht. Wie diese Betriebsausflügler, die sich gelegentlich als Gruppe anmelden und die vorher schon vier Tage schwer gebechert haben. "Die müssen wir rauf- und runtertragen." Dass wir aber auch noch keine Meister sind, sehen wir, als ein geölter Blitz uns bei einer Schussfahrt überholt. Das ist die Weltsiebtbeste, Petra aus Finnland, Sportstudentin in Köln und Walters Vorzeigeschülerin. Für Leute wie sie gibt es zwei Gummistummel unter dem Snowbike-Sitz. Darauf ruhen die Profifüße, während das Geschoss ausschließlich durch Gewichtsverlagerung gesteuert wird. So bewegt man sich mit dem Skibob, wenn man schnell sein will. Oder auf Tiefschnee-Pisten.