Jetzt darf wieder orakelt werden: Kann der Herbstmeister auch Deutscher Meister werden? In 40 Jahren Bundesliga war das bislang 25 Mal der Fall. Was lehrt uns das? Gar nix. Diverse Datenbanken, in denen vom Ballbesitz einer Mannschaft über die Kopfballtore vor der Pause nach Flanke von links bis zur Unterhosengröße der rechten Verteidiger alles gespeichert ist, wollen uns vorgaukeln, dass der Fußball gewissen Gesetzmäßigkeiten gehorche. Tut er aber nicht. Man kann ein Spiel eben auch mit nur 30 Prozent Ballbesitz gewinnen – wenn man nur das Runde oft genug ins Eckige befördert. Deshalb lieben wir den Sport.

Halt. Eine Gesetz gilt doch, und das vergällt uns die Liebe zum Fußball seit Jahren. In Abwandlung des berühmten Spruchs von Gary Lineker, dem englischen Stürmerstar vergangener Tage, ist Fußball in Deutschland das Spiel, bei dem 22 Leute hinter einem Ball herrennen und am Ende Bayern München gewinnt. Bei sechs ihrer siebzehn Meisterschaften haben die Bayern den Spieß im Laufe der Rückrunde noch einmal umdrehen können, und sei es in der letzten Minute der Saison – wir erinnern nur an das Herzschlagfinale der Saison 2000/2001, als der Herbstmeister Schalke auch ein paar Sekunden Deutscher Meister war, aber eben nur ein paar Sekunden lang. Dann trafen die Bayern doch noch mal. Und jetzt schießen sie sich schon vor Weihnachten warm, um die Seelchen von der Weser noch das Fürchten zu lehren.

Denn jetzt mögen noch alle vom aktuellen Herbstmeister Werder Bremen schwärmen, der so ziemlich jede Statistik anführt, mit kleines dickes Ailton nicht nur den gefährlichsten Stürmer, sondern auch noch die effektivsten Mittelfeldspieler (Micoud und Ernst) stellt. Aber am Ende werden sie doch wieder Angst vor der eigenen Courage bekommen, das Nachdenken und um bessere Verträge Verhandeln anfangen und weiche Knie kriegen. Zuletzt waren sie 1990/91 Herbstmeister. Und wer war am Tag der Abrechnung vorne? Kaiserslautern. Oder, noch schlimmer, 1985/86: noch überholt von, na klar, den Bayern. Nicht, dass wir den Bremern den Titel nicht gönnen, ja wünschen würden. Längst ist uns der brasilianische Kugelblitz trotz seiner königsblau gefärbten Geldgeilheit ebenso ans Herz gewachsen wie Thomas Schaaf, der Trainer mit dem Temperament einer Pressspanplatte. Aber sie haben’s einfach nicht drauf. Ihnen fehlt das Schweinsein-Gen, das bei Oliver Kahn inzwischen vollends die Steuerung der Gesichtszüge übernommen hat.

In einer Tippgemeinschaft im bayernfeindlichen Franken haben 2 von 142 Spielern auf einen Meister aus Bremen getippt, das sind 1,408 Prozent. Bleibt uns die Hoffnung, dass auch das gar nix zu bedeuten hat.