Wie fühlt man sich, wenn man seit 34 Jahren eigentlich nur in Krisenzeiten aus der Schublade gezogen wird?

Gut. Ich habe nichts dagegen, gefragt zu sein und Zuspruch zu erfahren. Nach dem Motto: Auf den kann man sich wenigstens noch verlassen. Da steht einer, der sich seit den Siebzigern kaum verändert hat – was in meinem Fall vonseiten der Medien nicht immer positiv beurteilt wurde. Im Übrigen habe ich nicht die Erfahrung gemacht, dass man mich und meine Lieder nur in Krisenzeiten hören will.

Sind Sie denn einer von gestern?

Von der Logik des Zeitgeistes aus besehen, kann man das schon sagen. Meine Motorik ist langsam, mein Temperament genauso, da verändern sich auch Haltungen nur schleppend. Mich erschrecken all die, die plötzlich mit Verve das Gegenteil von dem behaupten, was sie früher propagiert haben.

Es ist doch paradox: Das, was Sie in Ihren Liedern seit Jahrzehnten bekämpfen – Bedrohung durch Krieg und Terrorismus –, treibt Ihnen plötzlich wieder Zuhörer in Scharen zu.

Zuhörer in Scharen habe ich nicht erst seit diesem Jahr, die habe ich – zu meinem Glück – schon seit über 30 Jahren. Neu ist nur, dass mich im Zusammenhang mit der politischen Entwicklung auch die Medien wieder beachten. Aber natürlich bemerke ich den Widerspruch, dass einige Lieder, die eigentlich längst von der Zeit überholt sein müssten, jetzt ein Revival erleben. Gerade meine alten Antikriegslieder sind zurzeit wieder sehr populär. Ich bin allerdings äußerst skeptisch, ob Liedermacher überhaupt etwas bewegen können; auch, wenn Menschen mir bedeuten, dass meine Songs für sie lebensbestimmend waren.

Ist das Bardentum, wie Sie es pflegen, überhaupt noch eine adäquate Antwort auf die weltpolitische Lage?