Welches war Ihr einprägsamster Tag 2003?

Wir wollen doch über das Dosenpfand reden. Da habe ich mehrere einprägsame Tage erlebt. Wollen Sie die alle hören?

Wenn es nicht zu lange dauert.

Erstens, der 3. Juni. Die Mitglieder der so genannten Lenkungsgruppe scheitern damit, ein einheitliches Pfandrücknahmesystem für Dosen einzuführen. Zehn Tage später, am Freitag, dem 13., erklärt Bundesumweltminister Trittin, dass er die Verpackungsverordnung auf jeden Fall umsetzen wird – ob mit oder ohne einheitliches System. Ich habe damals als Vertreter des einzigen Großunternehmens in der Lenkungsgruppe gesagt: "Gut, lasst es uns probieren." Wir ließen auf unsere Produkte ein P drucken, sodass jeder, der seine Dose zurückbringt, ohne Bon ein Recht auf das bezahlte Pfand hat. Damals hieß es noch, ab 1. Oktober dürfe es bundesweit keine Bons mehr geben. Und dann beschließen am 17. September plötzlich ein paar Beamte der Länder und des Bundesumweltministeriums in einer außerordentlichen Sitzung, dass die Zettelwirtschaft mit den Bons ein Jahr verlängert wird. Unglaublich!

Irgendwann muss in der erwähnten Lenkungsgruppe der Begriff des "Pfandschlupfs", des nicht eingelösten Pfandgeldes, aufgekommen sein. Wann haben Sie zum ersten Mal davon gehört?

Das muss im Januar gewesen sein. Frau Künast, die sich als Verbraucherministerin versteht, hat dieses Wort eingeführt. Allein das Wort ist glitschig wie ein Aal. Künast meinte, weil so viele Kunden die Dosen nicht zurückbrächten, könnte man – schlupf, schlupf – das angeblich überschüssige Geld in einen Fonds einzahlen.

Was ist daran verkehrt? Das Bundeswirtschaftsministerium hat errechnet, dass 450 Millionen Euro Pfandgeld nicht eingelöst wurden. 75 Millionen soll der Bund an Mehrwertsteuer einbehalten haben, der Rest müsste also bei Ihnen liegen.