Sie haben für "Good Bye, Lenin!" die DDR der Vorwendezeit rekonstruiert. Am 7. Dezember wurde der Film beim Europäischen Filmpreis in sechs Kategorien ausgezeichnet. Wo waren Sie an diesem Tag?

Ich habe Freunde in Zwickau besucht und bin dann nach Bayern gefahren. Von dem Rummel in Berlin habe ich nichts mitbekommen.

In der Filmbranche gelten Sie als Fachmann für den Wiederaufbau Ost. War es schwierig, in Berlin Gegenden zu finden, die noch nicht verwestet sind?

Allerdings. Die Straßenmöblierung hat sich komplett geändert: Parkscheinautomaten, die Bemalung von Radwegen, Werbung. Alles ist sehr bunt geworden. Was die Stadt außerdem verändert hat, sind die Graffiti. Die gab es vorher nicht – aus Mangel an Spraydosen. Damals sah man eher Kreidezeichnungen von Kindern.

Überwinden Sie die Vergangenheit mit Humor, indem Sie sie nachträglich zur Kulisse machen?

Durchaus. Ich habe zu Ost-Zeiten beim Fernsehen gearbeitet und lange Zeit Kinderfilme gemacht. Vor der Wende hatte ich das Glück, mit Leuten wie Heiner Carow zusammenzuarbeiten. Leute, die diese Gesellschaft ändern wollten. Damit war auch die Ästhetik gemeint.

An den Look der DDR kann sich beinahe jeder erinnern. Gab es nicht viele, die sich zum Fachmann berufen fühlten?