Mein Problem ist das Kontinuum. - Brüche um Brüche - was heißt meine >Schulzeit<? - Was ist das Gemeinsame einer gottverlassenen deutschsprachigen Dorfschule im tschechoslowakischen Böhmen, eines Jesuitengymnasiums in Österreich und zweier Gymnasien wieder im Sudetengebiet, deren Unterricht zuerst bürgerlich tschechoeuropäisch, dann faschistisch großdeutsch dirigiert, jeweils von den selben Lehrern praktiziert worden ist?

Der Vater, aus einer von bitterer Armut geprägten Familie, ließ seinen fünfjährigen Sohn zunächst von einer Privatlehrerin im Lesen und Schreiben unterrichten, um ihm einen guten Start ins Leben zu erleichtern. Er sagte, es habe ihm Vereinzelung gebracht.

Während der Dorfschulzeit wurde er als Kleiner bei einem der beiden erbittert gegeneinander kämpfenden Clans geduldet. Die Opfer wurden je nach Jahreszeit festgehalten und mit Schnee oder Fröschen bis zum Ersticken gestopft. Und einen wollten sie verbrennen. Der Plan wurde wohl aufgegeben. Aber er hätte nichts verraten.

In der Jesuitenschule fühlte er sich so unwohl, dass er nach kurzer Zeit floh. Als Zehnjähriger erlebte er die faschistische Erziehung. Zur Aufnahme in den Turnverein, noch vor der Hitlerzeit, musste er eine Mutprobe bestehen.

Wie seine Kameraden musste er durch das Feuer springen. Er hatte große Angst, aber es gelang ihm, sie zu überwinden, und er fühlte sich von den Flammen geweiht.

Ich war nun kein Mensch mehr wie irgendein andrer, nicht einmal wie ein andrer Deutscher - von diesen Tschechen oder Juden oder Zigeunern sowieso abgesehen. Über denen stand jeder von uns Deutschen, doch ich war ein Deutscher, der durch das Feuer gesprungen war, und ich fühlte ein tiefes Recht, diese anderen verachten und gegebenenfalls auch zertreten zu dürfen.

Der Klassenlehrer, ein alter brummelnder, kauziger Typ, verbreitete sich ärgerlich über die in Prag angeordnete Stunde für die Wohltat des Friedens.