Elke Erb: die crux - Urs Engeler Editor, Basel/Weil am Rhein 2003 - 136 S., 14,50 e

Die Lyrikerin Elke Erb, kürzlich 65 geworden, schreibt ein eigensinniges Prosabuch über das Alter und das Älterwerden. In den ersten Kapiteln erzählt sie vom Alter über den Umweg der Kindheit, in der die Zeit bekanntlich laufen lernt und das Altern beginnt. Eile mit Weile, die Geschichte eines Kindes, das schon mit fünf aus der Schule verwiesen wurde, ist ein Fantasie- und Wörterfest. Teilräume, Zeiträume, Würfel ist ein Blick in die eigene Kindheit, eine bildkräftige Erzählung über die Kriegs- und Nachkriegszeit in der Eifel - wunderbare Erzählprosa.

Die unmittelbar dem Alter gewidmeten Kapitel drücken keine Bitternis aus. Das Älterwerden wird registriert und in den kleinsten Merkmalen benannt. Adam hatte im Paradies die Aufgabe, allen neu erschaffenen Dingen einen Namen zu geben - der Beginn der Kreativität. Nach seiner Vertreibung aus dem Paradies bleibt dem Menschen, das zu benennen, was er draußen vorfindet.

Beispielsweise das, was einem alternden Menschen der Spiegel anbietet. Das Kapitel Das Spiegelbild einmal wieder ist eine Schule der Selbstwahrnehmung: "Ich will innen wissen, wie ich außen aussehe." Tag für Tag sich im Spiegel betrachten und das Gesehene notieren, um das eigene Gesicht "bewusst zu tragen". Auch andere Aspekte des Älterwerdens, Ängste, Verlegenheit und Unsicherheit, kommen zum Vorschein, werden wie unter einem Vergrößerungsglas betrachtet und notiert. Ein Wagnis, das mit klugen und feinen Formulierungen belohnt wird, die - weit entfernt von jedem Selbstmitleid - die Tragik des Alters einzufangen vermögen: "Das junge Blut ist gekränkt. Kein Blut ist alt.

Ein näher kaum benennbarer Kummer beeinträchtigt. Wen? Das junge Blut. ... Wer?

Die alte Haut. Sie bedauert nur, dem jungen Blut nicht helfen zu können."