Die meisten deutschen Apotheker aber reagieren weniger freudig auf das neue Gesetz als die Unternehmer Dörr und Kerckhoff. 7,7 Millionen Unterschriften sammelten sie im Kampf gegen die Reform. Mit roten Plakaten in ihren Ladenlokalen schürten die Pharmazeuten die Angst vor dem Versandhandel und den Pillen aus dem Ausland.

Ganz unbegründet ist das Bangemachen nicht. Das Bundeskriminalamt warnte kürzlich vor Arzneifälschern und Schmugglern, die im Internet oft schwer zu identifizieren sind. Und auch der Bremer Wissenschaftler Gerd Glaeske, Berater der Gesundheitsministerin und eigentlich Verfechter des Versandhandels, hält das Internet für ein potenzielles Einfallstor. "Finger weg von Online-Anbietern, die kein Rezept verlangen", mahnt er. Auf einigen Websites werden Potenzmittel wie Viagra inzwischen inklusive Verschreibung vermarktet und dazu auch noch ganz andere Wundermittel. "Hinter jedem Arzneiversand muss ein richtiger Apotheker stehen", fordert Glaeske.

Die Bundesregierung strebt mit der Legalisierung deshalb gleichzeitig eine Professionalisierung des Versandhandels an. Internet-Apotheken müssen künftig eine Lizenz erwerben und werden dabei gründlich durchleuchtet.

Nachdem der Widerstand wenig fruchtete, versucht die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) jetzt, die Konkurrenz der Arzneiversender mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Mittlerweile lassen sich im Internet unter www.abda.de Medikamente bestellen, die die nächstgelegene Apotheke dann ins Haus liefert. "Ein Botendienst!", betont ABDA-Geschäftsführer Rainer Braun den Unterschied. "Kein Versandhandel!"

Immerhin: Rund 10 000 der 21 400 deutschen Apotheken beteiligen sich an dem neuen Angebot. Die meisten haben auch die Protestplakate wieder aus ihren Schaufenstern genommen. Vor allem seitdem klar ist, dass das Fremdbesitzverbot weiterhin gelten soll. Die Deutsche Post, Bertelsmann und andere, denen man Interesse am Arzneigeschäft nachsagte, bleiben also weiter außen vor. Das Gleiche gilt für die deutschen Arzneigroßhändler Celesio und Phoenix, die überall sonst in Europa schon Filialen betreiben. Die Konzern-Apotheke bleibt in Deutschland vorerst Fantasie.

Überhaupt stellt sich inzwischen heraus, dass die Reform den Apothekern womöglich weit weniger Schaden zufügt, als von deren Lobby behauptet.

Zwar zwang Ulla Schmidt die Apotheker schon Anfang 2003 zu Rabatten, um den Anstieg der Arzneimittelausgaben zu bremsen. Zwar müssen Apotheker von Januar an bei nicht verordnungsfähigen Medikamenten wie Hustensaft oder Halstabletten wie ganz normale Händler kalkulieren - die Preisvorgaben und auch die Garantiemargen fallen weg. Zwar bekommen die Apotheker auch bei den Pillen auf Rezept, deren Preise fix bleiben, künftig nur noch 3 statt 27 Prozent vom Einkaufspreis. Aber dafür erhalten sie zusätzliche eine pauschale Beratungsgebühr von 8,10 Euro pro Medikament. Die soll ihnen auch weiterhin das Geschäft versüßen.