Das hängt davon ab, an welcher Hochschule der Student sich im Jahr 2010 einschreibt. Fest steht für mich, dass das zehnjährige Hin und Her um das Pro und Contra von Studiengebühren bald beendet sein wird. Zum einen, weil die Befürworter von Studiengebühren auch in den Reihen der rot-grünen Koalition eine Mehrheit haben. Zum anderen, weil das Bundesverfassungsgericht im Sommer 2004 die Zuständigkeit des Bundes für ein Verbot von Studiengebühren verneint – und den Weg für die Bundesländer frei macht, Gebühren zu erheben. Dann wäre der Versuch von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn gescheitert, Studienbeiträge per Gesetz zu verbieten.

Die Hochschulen werden dann für ihre Studiengänge Beiträge nehmen, wobei sie gleichzeitig durch Stipendien oder Darlehen sicherstellen, dass niemand aus finanziellen Gründen vom Studium ausgeschlossen ist. Das wird in den ersten Jahren, je nach Standort und Studiengang, zu einer großen Bandbreite von Gebührensätzen führen. Einige teure Fakultäten werden leer bleiben, weil sie ihre Attraktivität überschätzen. Andere Fakultäten mit gleich hoher Studiengebühr werden sich vor Bewerbern nicht retten können, weil sie wegen ihrer guten Ergebnisse im Hochschul-Ranking oder des Flairs der Stadt hohe Anziehungskraft ausüben.

Später werden sich Bewerberzahlen, Gebühren und Leistungen einpendeln. Die Gebühren werden dann nach drei Kriterien ermittelt. Erstens nach den tatsächlichen Kosten des Studiums. Experimentelle Fächer in den Naturwissenschaften sind teurer als die Geisteswissenschaften. Zweitens werden die zukünftigen Gehaltserwartungen der Absolventen herangezogen. Ein Studium der Medizin wird teurer sein als ein Studium des Sozialwesens, weil Ärzte mehr verdienen als Sozialarbeiter. Schließlich kommt die Lehrqualität als Gebührenkriterium hinzu, die sich in der Nachfrage von Bewerbern niederschlägt.

Spitzenuniversitäten könnten dann für ein dreijähriges Bachelor-Studium durchaus 27000 Euro verlangen, für einen einjährigen Master in Business Administration müsste man bis zu 20000 Euro hinlegen. Die Studierenden werden es ohne Murren bezahlen – sofort oder später von ihrem zukünftigen Einkommen. Schließlich wissen sie, was eine gute Ausbildung wert ist.

Detlef Müller-Böling, Leiter des Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), das von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz getragen wird