Pliosaurier waren die größten Räuber ihrer Zeit. Angetrieben von zwei Flossenpaaren, glitten sie durch die Weltmeere

Foto: BBC

Über einem fossilen Puzzle brüten Wolfgang Stinnesbeck, Dino Frey und Christina Ifrim

Foto: Bernard Marks

Staub legt sich auf die verschwitzten Gesichter der Paläontologen. Die Luft flimmert. Skorpione krabbeln unter Steinen hervor. Zwischen zahllosen, mit heimtückischen Stacheln besetzten Kakteen graben sich die Forscher tief in den Berg. Hunderte Tonnen Gestein und Erde haben sie bereits abgetragen, um an die Schicht zu gelangen, in der das "Monster von Aramberri" vor 150 Millionen Jahren seine letzte Ruhestätte fand.

Das Fossil, das in den Bergen der Sierra Madre Oriental, unweit des mexikanischen Ortes Aramberri, ausgegraben wird, ist ein gigantischer Pliosaurier von mindestens 18 Meter Länge – der größte fleischfressende Räuber aller Zeiten. Die offenen Knochennähte seines Schädels lassen sogar den Schluss zu, dass es damals noch größere Bestien gab: Die Knochen gehören einem jungen, noch nicht ausgewachsenen Tier.

Die Ausgrabung in Aramberri ist nur eines von mehreren Forschungsprojekten in Nordostmexiko, die von den deutschen Paläontologen Wolfgang Stinnesbeck von der Universität Karlsruhe und Dino Frey vom Karlsruher Naturkundemuseum koordiniert werden. An zahlreichen Fundstellen erhalten sie unterschiedliche Erkenntnisse über die Lebensbedingungen mariner Flora und Fauna in den tropischen Urmeeren von der oberen Jura- bis zur späten Kreidezeit. Fast 100 Millionen Jahre Erdgeschichte sind in diesen Sedimenten abgelegt. Zunächst scheinen die Befunde keinen Zusammenhang zu haben. Doch nach und nach setzen die Forscher sie zu einem Klimapuzzle zusammen, welches das Aussterben der Saurier am Ende der Kreidezeit neu erklären könnte.

Das prähistorische Tropenmeer faltete sich zum Gebirge auf

Vor 150 Millionen Jahren war der gesamte Nordosten Mexikos von einem flachen tropischen Meer bedeckt. Bis zum Ende der Kreidezeit, vor 65 Millionen Jahren, baute sich am Meeresboden eine Sedimentfolge auf, ein Stapel von Gesteinsschichten, der schließlich fast zwei Kilometer Höhe erreichte. Doch mit dem Ende der Kreidezeit setzte ein Prozess ein, bei dem sich im Westen Mexikos die pazifische Kruste unter den Kontinent schob. Durch das Zusammenpressen entstanden an der Westküste Erdbeben und Vulkane. Im Osten war der Druck immer noch stark genug, um die über Millionen Jahre entstandenen Sedimente wie eine Tischdecke zusammenzufalten. Was früher einmal der Boden eines tiefen Meeres war, befindet sich heute bis zu 3500 Meter über dem Meeresspiegel, in der Sierra Madre Oriental.