Bei den von Sparzwängen gebeutelten Sammlungsdirektoren haben sich die Schwerpunkte dagegen verändert. Einige begrüßen die anklopfenden Bildagenturen mit offenen Armen. Andere verwandeln ihre Reproabteilungen in kleine Unternehmen, lassen sie die Vermarktung selbst organisieren und orientieren sich in ihrer Preisgestaltung an kommerziellen Bildagenturen. Die schwierige finanzielle Situation zwingt die Direktoren schließlich dazu, nach neuen Wegen zu suchen. Wie viel sie damit verdienen, sagen sie allerdings nicht – wohl aus Angst, ihnen könnten anderswo Zuschüsse gekürzt werden.

Einen Weg, allen Interessen gerecht zu werden, versucht der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Lehmann, zu gehen. Er ist Herr über 17 Museen, die Staatsbibliothek und das Geheime Staatsarchiv in Berlin und sich der Tragweite des Problems bewusst. Zusammen mit anderen europäischen Kultureinrichtungen baut er gerade ein gigantisches Kulturportal im Internet auf, das große Teile der staatlichen Sammlungen präsentieren und als zentrale Serviceeinrichtung für alle Kulturinteressierten dienen soll.

Im geplanten Netz sind die Bilder in geringer Auflösung für jeden einsehbar – ein unschätzbarer Fundus für Forschung und Lehre. Sobald ein Werk publiziert werden soll, wird jedoch eine Anmeldung und die anschließende Bezahlung für die hoch aufgelösten Bilddaten erforderlich.

Genauestens will er dabei zwischen gemeinnütziger, wissenschaftlicher und kommerzieller Nutzung unterschieden wissen: "Wenn jemand ein eigenes Produkt mit unseren Bildern herstellen will, dann soll er auch bezahlen. Dem Steuerzahler würde sonst zu viel zugemutet, weil wir einseitig bestimmte Branchen begünstigten. Schließlich ist die Digitalisierung eine weitere zusätzliche Präsentationsform, die einen neuen wirtschaftlichen Kreislauf öffnet." Und an dem möchten viele partizipieren.