Bei manchen Investitionen der EthikBank allerdings dürfte es traditionell Umweltbewegte grausen. Autohersteller etwa stehen nicht von vornherein auf der Ausschlussliste. "In der mobilen Gesellschaft von heute", sagt Klaus Euler, "darf eine Verkehrsaktie kein Tabu sein." Wie eng die Gratwanderung zwischen Protest und Profit ist, zeigt die Aktie des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport. Eigentlich steht das Transport- und Logistikunternehmen auf der Empfehlungsliste der EthikBank. Trotz der für Umweltbewegte heiklen Branche werde, so der Anlagebericht der Bank, "in nahezu allen Bereichen – Umweltmanagementsysteme, Umweltpolitik, Gleichberechtigung, Arbeitsplatzerhalt, Stakeholder und Weiterbildung – eine überdurchschnittlich positive Bewertung erzielt". Jetzt allerdings soll der Frankfurter Flughafen noch einmal erweitert werden – zulasten der Umwelt. Und deshalb, sagt Sylke Schröder, "beobachten wir die Fraport-Aktie derzeit sehr kritisch".

Die EthikBank ist eine ganz normale Bank, was die Produkte für Privatkunden betrifft. Es gibt ein Girokonto und ein Online-Depot, Tages- und Festgeld, Sparbriefe und Sparpläne. Im Gegensatz zu anderen deutschen Genossenschaftsbanken kommen die verkauften Investmentfonds allerdings nicht von der Fondsgesellschaft Union Invest, sondern von der Schweizer Privatbank Sarasin, die zwei spezielle Nachhaltigkeitsfonds vertreibt.

Bloß Kredite gibt es nicht. Und zwar aus Prinzip. "Dieses Geschäft ist eines der letzten, die mit Handschlag besiegelt werden sollten", sagt Sylke Schröder. "Man muss einem Kreditkunden in die Augen schauen" – für eine Direktbank unmöglich. Der Mangel am Geschäftsmodell der EthikBank ist, dass sie nicht die Lücke füllen kann, die der Rückzug der großen Geldhäuser aus der Mittelstandsfinanzierung bedeutet, gerade für ethisch oder ökologisch orientierte Betriebe, die sowieso kaum an Kapital kommen. "Wir haben angefangen, darüber nachzudenken", sagt Bankchef Euler. Gut möglich also, dass die junge Bank ihr Geschäftsmodell in puncto Kredit noch ändert.

Bis dahin unterstützen die Eisenberger mittelständische Firmen indirekt – per Zusatzzins. Mit einem Ökosiegel ausgezeichnete Betriebe bekommen ein Plus von 0,25 Prozentpunkten auf den Guthabenzins ihres Tagesgeldkontos. Außerdem hat die EthikBank einen "Förderpreis Nachhaltiger Mittelstand" ausgelobt. Jedes Jahr werden Unternehmen ausgezeichnet, die "in ihrer täglichen Arbeit die Elemente Ökologie, Ökonomie und soziales Engagement langfristig in Einklang bringen".

"Etwa 500 bis 700 neue Kunden im Jahr" will die EthikBank künftig gewinnen, sagt Klaus Euler. Heute kommen die Kunden zu 95 Prozent aus den alten Bundesländern. Die Eisenberger Bürger tragen ihr Erspartes lieber weiter zur alten Volksbank. Ethisch und ökologisch Geld anzulegen kann oder will sich eben doch nicht jeder leisten. "Die EthikBank spricht eine Klientel mit einem gewissen Vermögen an", sagt Sylke Schröder. Das durchschnittliche Anlagevolumen eines Kunden der EthikBank ist um die Hälfte höher als bei der Volksbank Eisenberg.

Könnte die Nischenstrategie der EthikBank ein Vorbild für die mehr als 1400 deutschen Genossenschaftsbanken sein, vor allem für die kleineren? Nein, wiegelt der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken ab – schließlich sind die Genossenschaftshäuser klassische Vollbanken, mit Filialen und Kreditgeschäft. So sei die EthikBank zwar "ein Weg, den genossenschaftlichen Grundsatz der Hilfe zur Selbsthilfe zu verwirklichen", heißt es beim Verband. Aber eben nur einer. Eigentlich widerspricht die bundesweit um Kunden werbende Direktbank auch dem Regionalprinzip der Genossenschaftsbanken, wonach sich jedes Institut auf ein Gebiet konzentriert. Doch wahrscheinlich hält sich der Widerstand der anderen Genossenschaftsbanker nur deshalb in Grenzen, weil die EthikBank so klein ist.

Und wenn es die Bank niemals in die Gewinnzone schaffen sollte? "Gerade weil uns der ethisch-ölologisch orientierte Ansatz so wichtig ist, müssen wir bald Gewinne schreiben", sagt Klaus Euler. "Nachhaltigkeit ist schließlich mehr als nur grünes Denken."