Ohne Sand kein Strand. Und ohne Strand kein Vergnügen. Besonders für die "3STouristen", die Sonne, Strand und Sex suchen. Der Kololi Beach an der Küste von Gambia, früher stolze 700 Meter breit, ist heute schmal wie ein Handtuch, die Strandbar wurde dreimal landeinwärts verlegt, bis sie ganz verschwand, Berge aus Sandsäcken mussten das Kairaba-Hotel vor der Wucht der Wellen schützen. Ursachen der Erosion sind Unterströmungen, die unaufhörlich am Küstensaum nagen, aber auch das seit zwei Jahren verbotene sand mining. Hunderte von Lastwagen transportierten jede Woche Sand zum Bau von Häusern und Strandhotels ab. Welch eine Ironie! Gambia ist ein gutes Beispiele dafür, dass der Tourismus den Ast absägt, auf dem er selber sitzt.

Die Hotelstrände gleichen Großbaustellen mit Schaufelbaggern und Planierraupen. Ein Küstenschutzprojekt soll die touristischen Zonen an der 80 Kilometer langen Küste renaturieren. Es kostet rund 20 Millionen Dollar, die Strände wieder zu "versanden", das Geld kommt von der Afrikanischen Entwicklungsbank, der Opec und der Regierung Gambias. Wie riesige Staubsauger holen Baggerschiffe den Sand vom Meeresboden hoch, der dann durch Rohre am Kololi Beach verteilt wird. Im nahen Cape Point werden Felssteine zu Dämmen aufgeschichtet – künftige Bollwerke gegen zerstörerische Wellen. Insgesamt 2,5 Millionen Kubikmeter Sand sollen Spaß am Strand für die nächsten zwei Jahrzehnten garantieren. Die Bauarbeiten werden in diesen Tagen beendet.

Die Beach-Boys gelten unter Touristen als "Strandplage"

Gambia, einst britische Kolonie und seit 1965 unabhängig, wird als anglofone Enklave vom frankofonen Senegal umschlossen. Der Ministaat an Afrikas Westküste ist gerade halb so groß wie Hessen und hat knapp 1,4 Millionen Einwohner. Im Grunde besteht das Land aus dem Gambia-Fluss und seiner gerade mal 25 Kilometer breiten Uferzone mit Reisfeldern und Mangrovensümpfen. Acht Ethnien, darunter die Mandingo, Wolof, Fulbe und Jola, leben auf engstem Raum miteinander, sprechen alle eine andere Sprache. "Stammeskonflikte gibt es bei uns nicht", sagt Reiseleiter Sehouna Drammeh in perfektem Deutsch. "Wir sind alle miteinander verwandt, die Stämme heiraten auch untereinander." Der kleine rundliche Mann mit den wachen Augen – sein Vorname bedeutet "der Suchende" und sein Nachname "der Findende" – kennt sein Land wie kaum ein Zweiter. "Gambia hat eine islamische Gesetzgebung, aber wir sind keine Extremisten!" Die Muslime, über 90 Prozent der Bevölkerung, feiern mit den Christen gemeinsam den Ramadan, Weihnachten und Ostern.

Gambia ist ein sicheres Reiseziel, wenn man das heute überhaupt noch von einem Land sagen kann. Keine Bomben, keine Entführungen, gelegentlich kleine Kriminalität. Trotzdem basteln die Tourismuspolitiker an einer Kurskorrektur. Qualitätstourismus statt Billigferien lautet ihr Credo. Natürlich lässt sich das nicht von heute auf morgen bewerkstelligen, und wenn nun in Gambia die Hochsaison ist, ist das wieder die Zeit der Bumster. So heißen die Beach-Boys, die sich an die Fersen der Besucher heften. Etwa der schlaksige junge Mann im Fußballtrikot von Thierry Henry, der den Besucher beim Sunbeach Hotel anspricht: "Hello, my friend, how are you? Ich heiße Mohammed. Kennen Sie mich nicht mehr? Ich arbeite doch an der Rezeption! Heute habe ich frei. Vor einer Woche hat meine Frau einen Sohn geboren, unser erstes Kind. Aber er ist sehr krank. Wir brauchen Medizin aus der Apotheke. Können Sie mir bis übermorgen 300 Dalasi leihen?" Mohammed arbeitet natürlich nicht im Hotel, hat auch kein krankes Kind und wollte sich den Betrag, rund 30 Euro, schlicht ergaunern.

Bumstern kann vielerlei bedeuten: Mal wollen die meist arbeitslosen jungen Männer den Gästen Uhren und Kettchen aufschwatzen oder sie auf Ausflügen begleiten, mal versuchen sie, die Fremden zu "erleichtern", und manchmal möchten sie einfach nur ins Gespräch kommen. Oder sie verkaufen ihren Körper alleinreisenden Touristinnen aus Skandinavien oder Deutschland, in der Hoffnung, deren Urlauberherzen zu brechen und später ein Flugticket nach Europa zu ergattern. Bumster sind nur selten aggressiv, doch in den vergangenen Jahren fühlten sich Besucher derart belästigt, dass sie die Hotelanlagen kaum mehr verließen. Als jeder zweite Urlauber dann in einem Gästefragebogen angab, wegen der "Strandplage Bumster" nicht mehr nach Gambia zurückkehren zu wollen, sahen Reiseveranstalter und Regierung das Geschäft bedroht.

Staatspräsident Jammeh, der nach einem Putsch 1994 an die Macht kam, erklärte den Bumstern den Krieg. Um die Jungs zu vertreiben, rüstete er die Strände mit einer neuen Einheit der Militärpolizei auf. Heute verdingen sich ehemalige Bumster als Gepäckträger am Flughafen, andere haben eine Schulung zum lokalen Guide gemacht und warten – als "offizielle Bumster" in blauer Uniform – vor den Hotels auf Kundschaft. Und für die Vereinigung touristischer Kleinunternehmen (Asset) verkaufen jetzt zwei Dutzend Ex-Bumster das Touristenmagazin Mango News am Strand. Vom Verkaufspreis können sie die Hälfte behalten – das Modell der Straßenzeitungen aus Europa stand Pate. Eine der beiden Druckmaschinen wurde von der Münchner Straßenzeitung BISS gespendet.

Sicher hat eine moralische Instanz wie etwa der designierte Haupt-Imam Tafsir viel Sympathie für solche Projekte, aber er versteht auch die Bumster und die sozialen Ursachen des Sextourismus. Imam Tafsir hockt im Vorraum der König-Fahd-Moschee – ein Geschenk von Saudi-Arabien an die Gottesbrüder in Gambia – und sagt: "Gambia ist ein armes Land, und ein leerer Sack kann nicht stehen." Also müsse sich der junge Mann etwas zu essen besorgen, dazu könne auch die Prostitution mit einer weißen Frau beitragen. Während der Imam das sagt, wippt sein rechter Fuß unter dem blauen bodenlangen Gewand. Dann klingelt sein Handy. Nein, gegen diese Art interkulturellen Kontakts habe er nichts einzuwenden. "Der Islam in Gambia ist von großer Toleranz geprägt."

Hunger leidet in Gambia kaum jemand, bald muss auch kein Reis mehr aus Taiwan oder Oman eingeführt werden. Die wichtigste Devisenquelle ist die Peanuts-Wirtschaft. Seit 150 Jahren prägt die Erdnuss als Monokultur das Land, ihr Strauch ziert sogar das Staatswappen. Auf Platz zwei kommt schon der Tourismus, dahinter rangieren der Fischfang und die Schmuggelökonomie. Weil aber Gambia weder Bodenschätze noch Industrie besitzt, ist es besonders stark auf fremde Hilfe angewiesen: Aus "Freundschaft" finanzierte Kuwait die neue vierspurige Küstenstraße, Japan spendierte Räucherschuppen im Fischerdorf Tanji, und China baute den abgebrannten Albert-Markt in der Hauptstadt Banjul wieder auf. Die Deutschen brachten 1200 Wasserpumpen ins Land und gründeten Kindergärten. Es ist in Gambia nicht ungewöhnlich, dass am Straßenrand plötzlich ein Schild "Kindergarten Bottrop" auftaucht.

Touristiker nennen das überschaubare, friedliche Gambia "Afrika für Einsteiger". Als Urlaubsland wurde es vor knapp 40 Jahren von den Schweden entdeckt. Seitdem steckt man ausländische Besucher – im letzten Jahr kamen rund 85000, vor allem Engländer, Deutsche, Holländer und Skandinavier – in international normierte Hotelanlagen. Austauschbare, einfallslose Garagendörfer im Stil karibischer Vier- oder Fünf-Sterne-Resorts, von Mauern umgeben, von Wächtern beschützt. Poolbar und Klimaanlage, Happy Hour und Animation. Abgekapselte Zonen, Afrika bleibt draußen.

Als ein deutscher Reiseveranstalter vor sechs Jahren das Sunwing-Hotel zum ersten All-inclusive-Club machte und die Gäste die Ferienanlage überhaupt nicht mehr verließen, sahen sich Taxifahrer, Restaurantbesitzer, Reiseleiter, Andenkenverkäufer vom touristischen Geschäft ausgegrenzt und protestierten vehement. Unter ihrem Druck verhängte die Regierung ein generelles All-inclusive-Verbot, das sie ein paar Monate später allerdings wieder aufhob, weil sich nun die internationalen Reisekonzerne zurückzogen. Der neue touristische Masterplan sieht vor, dass neue All-inclusive-Anlagen zwar willkommen sind, aber fernab von bestehenden touristischen Infrastrukturen angesiedelt werden müssen.

Die meisten Urlauber verlassen ihre Strandburgen so gut wie nie. Bis auf die "Roots-Tour" für 49 Euro vielleicht. "Das muss man gemacht haben!", wirbt der Veranstalterkatalog für den organisierten Bootsausflug nach Juffure am Nordufer des Gambia-Flusses. Das Dorf wurde durch Alex Haleys Familiensaga Roots (und die gleichnamige Fernsehserie) weltberühmt. Von hier stammt sein Held Kunta Kinte, der wie sieben Millionen andere Schwarze im 18. und 19. Jahrhundert von weißen Sklavenhändlern aus Westafrika nach Amerika verschleppt wurde. Das unbedeutende Dorf ist heute ein Pilgerort. Legionen schwarzer Amerikaner suchen hier nach ihren afrikanischen Wurzeln. Zweimal pro Woche, wenn das Ausflugsboot Lady Jane die vielköpfige Touristenfracht anlandet, verwandelt sich der Ort in ein Animationszentrum. Führer bieten Fremden ihre Dienste an, kleine Jungs betteln um Kulis oder verkaufen geschnitzte Holzfiguren, Frauen stampfen rhythmisch Hirse oder halten ihre Babys fotogen zur Schau, und die Kleinsten beginnen im Kindergarten auf Kommando ihres Lehrers zu singen und in die Hände zu klatschen.

Kamelfußblatt hilft bei schwacher Blase. Und gegen Impotenz

Unter einer mit Wellblech überdachten Terrasse beginnt das immergleiche Ritual: Binta Kinte betritt am Stock die Bühne, setzt sich, sagt "Hallo!" und wünscht "Frieden für alle!". Sie ist 89 Jahre alt (angeblich) und Kunta-Kinte-Nachfahrin in siebter Generation (angeblich). Ein Helfer reicht eine Kalebasse mit einem vergilbten Foto von Alex Haley herum, bietet ein Besuchszertifikat zum Erwerb an und lädt gegen eine Spende zum Fotoshooting mit Binta Kinte ein. Das war’s, die deutsche Reisegruppe ist abgefertigt, die dänisch-schwedische wartet schon. "Diese Tour mache ich nicht gern", sagt unser Reiseleiter Sehouna, "ich schäme mich dafür." Allein die kleine Ausstellung über den Sklavenhandel lohnt den Besuch. Sie zeigt neben Kunta Kinte, dem "starken, mutigen Mann", die nahe Flussinsel James Island, die der britischen Kolonialmacht als Fort und Umschlagplatz für Sklaven diente, etliche Vitrinen mit Folterinstrumenten und Porträts einer neuen Generation afroamerikanischer Führer wie den Schriftsteller Alex Haley, den Trompeter Wynton Marsalis oder die Präsidentenberaterin Condoleezza Rice.

Um das Image als billiges Pauschalreiseziel abzustreifen und Touristen zukünftig vom Strand ins Landesinnere zu locken, ersetzte die Gambia Tourist Authority (GTA) vor kurzem den Werbeslogan "Die lächelnde Küste" durch "Gambia – Ihr sicherer Hafen in Afrika". Mithilfe kleiner Veranstalter sollen auch die Natur und die Kultur des Landes in den Fokus rücken. Dazu gehören Ausflüge in Booten, die meist von der Lamin Lodge, einem Pfahlbau-Restaurant im Mangrovendelta, durch die Seitenarme des Gambia-Flusses führen. Bei mehrtägigen Exkursionen auf einer Piroge flussaufwärts nach Georgetown schlafen die Gäste an Deck unterm Moskitonetz oder in einer einfachen Lodge am Ufer. Abseits vom Strand, lautet die Botschaft, liegt das "eigentliche", das "wahre" Gambia.

Das Tumani Tenda Ecotourism Camp ist ein Dorfgemeinschaftsprojekt, das gut in das neue Tourismuskonzept passt. Happy Hour? Swimmingpool? Klimaanlage? Wer Komfort, gar Luxus sucht, hat hier nichts zu suchen. Fünf Rundhütten aus Lehm bieten bis zu 26 Besuchern Unterkunft. Moskitonetze überwölben die Holzbetten, bunte Batikvorhänge zieren die Fenster mit Fliegengittern, Wellblech und Elefantengras bedecken die Hütten. Toiletten und Duschen sind einfach, aber das Wasser ist warm und kommt vom Tank auf dem Dach. Ein Käfer oder eine Spinne krabbelt schon mal an der Wand entlang. Das halb offene Restaurant wurde um einen Baobab gebaut. Muschelmosaike schmücken den Zementfußboden des "Camp Place", Hängematten baumeln in den Fensterhöhlen. An diesem Tag gibt es Lady Fish und Barrakuda, Hühnchen mit Erdnuss-Sauce, viel Reis, grüne bittere Tomaten und Okras, Maniok und Kartoffeln.

Sulayman Sonko führt die Besucher vom Camp zum 500 Meter entfernten Dorfkern. Rechts liegt ein Feld mit Hirsestauden, links eine Weide mit Kühen, vor uns Tumani Tenda im Schatten mächtiger Mangobäume. Sulayman ist Mitte 30, spricht fließend Englisch und Französisch und hat "ungefähr 15 Brüder und 10 Schwestern, von einem Vater mit zwei Frauen". Nachdem er Wirtschaftswissenschaften in Dakar und Bordeaux studiert hatte, kam er nach Gambia zurück. Jetzt leitet er das Camp und managt die Projekte. Auf dem Weg ins Dorf bringt er den Gästen ein paar Brocken Jola bei, rituelle Begrüßungsformeln. Kasumai? Wie geht’s? Kasumai kep! Es geht gut! – Katibo? Wo ist ihre Familie? – Kokobo! Sie ist zu Hause! – Alles klar?

Tumani Tenda ist eine Dorfgemeinschaft von 350 Jola, die in sieben überwiegend muslimischen Großfamilien leben. Tumani Tenda ist nicht Juffure. Keine exotische Kulisse. Hier bettelt kein Kind, stellt keine Frau ihr Baby für ein paar Dalasi zur Fotoschau, hier bleibt die familieneigene Lehmhütte – unausgesprochen – eine no go area. Sulayman führt durch sein Dorf, ohne es vorzuführen. Kasumai? – Kasumai kep! Links die Gemeinschaftsküche der Großfamilie Jarju, dort die kleine Moschee, gleich daneben das Lager für Setzlinge, da rechts beim Bolzplatz die neue Grundschule. Jungs treiben Schafe und Ziegen vor sich her, aus einem tiefen Brunnen schöpfen Mädchen eimerweise Wasser. Als sich vor 37 Jahren der Gründervater mit seiner Familie aus der Casamance im Süden Senegals hier niederließ, gab es nichts als Dschungel. Heute betreibt Tumani Tenda auf dem gut 300 Hektar großen Gemeindegebiet eine intakte Land- und Forstwirtschaft.

Ein Dutzend Dorfbewohner, als Guides ausgebildet, kümmert sich um das Touristencamp, bringt Fremden den Alltag, die Kultur und Natur näher. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner färbt auch auf die Gäste ab, die für ein paar Tage ins Dorfleben reinschnuppern: Rucksack-Traveller, Kulturtouristen, Musikstudenten, Radfahrer, Vogelliebhaber. Natürlich verirren sich eingefleischte Strandtouristen nicht hierhin – und vielleicht ist das für alle Beteiligten nur gut so.

In der Morgendämmerung können die Besucher mit einem Guide im Einbaum über den Fluss paddeln, um Scharlachwürger, Zimtroller, Braunhalspapageien und die ganze Vogelschar zu beobachten. Später den Frauen zusehen, wie sie mit der Machete Hunderte Austern von den Mangrovenwurzeln abschlagen. Am nächsten Tag führt ein Naturheilkundler durch den Wald, um den Besuchern die Wirkung von Heilpflanzen zu erklären. Momodou Sanyang trägt trotz der schweißtreibenden Wahnsinnshitze eine Pudelmütze. Unaufhörlich kaut er Süßholz – gut für den Magen. Bei einem Mahagonibaum bleibt er stehen. Man müsse ein Stück Rinde abschneiden, es in Wasser einweichen, einen Schluck trinken. Das stoppe den Durchfall. Jede Station eine neue Lektion. Das Kamelfußblatt helfe bei Blasenkrankheit, das "afrikanische Viagra-Gras" mache Männer munter, und die Cassia siberiana wirke bei Muskelkater und Müdigkeit: einfach die Wurzel ausgraben, klein stampfen, Honig und Wasser dazu geben, drei Tage stehen lassen, dann trinken.

Sind wir im afrikanischen Kibbuz oder im kommunistischen Kollektiv?

Das Ökocamp ist nicht unbedingt das Profit-Center des Dorfes, aber die Einnahmen aus dem Tourismus sind eine zusätzliche Einkommensquelle, die zur Dorfentwicklung beiträgt. Für das nächste Jahr plant man, mit den erwirtschafteten Geldern eine Krankenstation und ein Kühlhaus für Mangos zu bauen. Wie Dorf und Camp sich gegenseitig inspirieren, erklärt Sulayman Sonko in der neuen Backstube. Weil Gäste öfter nach Brot verlangt hatten, gebar man am Bantaba, dem Versammlungsplatz des Dorfes, die Idee der Bäckerei. Jetzt gibt es für die Besucher und die Bewohner frisches Weißbrot, der Rest geht in Kommission an die umliegenden Gemeinden. "Wir sind jedoch nicht vom Tourismus abhängig", sagt Projektmanager Sonko, "denn wir sind vor allem Farmer."

In Tumani Tenda ist alles in Kollektivbesitz, die Arbeit auf den Feldern und im Wald wird gemeinschaftlich verrichtet, ein Teil des Verdiensts geht in die Gemeinschaftskasse, für die Elektrizitätsleitung und den Transportwagen, für Arztbesuche und Schuluniformen. Was ist Tumani Tenda, ein afrikanischer Kibbuz oder ein kommunistisches Kollektiv? Egal, von seiner Strategie – auch beim Marketing – können sich andere eine Scheibe abschneiden. Vor zwei Jahren wurde das Vorzeigeprojekt in Deutschland mit dem "To Do!-Preis für sozialverträglichen Tourismus des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung" ausgezeichnet. Die Regierung von Gambia schickt Abgesandte anderer Dörfer vorbei, um das erfolgreiche Modell zu studieren und zu kopieren. Selbst Sehouna, unser gambischer Reiseleiter, ist beeindruckt. "Tumani Tenda wird sich verkaufen", sagt er zum Dorfmanager. "Was ihr hier anbietet, ist Afrika pur!"

Information

Anreise:
Thomas Cook Airlines (Condor) fliegen im Winter jeden Samstag von Frankfurt am Main nach Banjul. Zurzeit Flüge von 378 Euro an

Pauschalen:

Bei BigXtra kostet eine 8-tägige Flugreise im Drei-Sterne-Hotel inklusive Frühstücksbüfett von 889 Euro an

Neckermann Reisen verlangen zum Beispiel für 14 Tage mit Übernachtung/Frühstück im Sunbeach Hotel & Resort von 1299 Euro an, im Kairaba Hotel von 1449 Euro an

Impfungen:
Eine Malaria-Prophylaxe wird dringend empfohlen. Sinnvoll ist Impfschutz gegen Gelbfieber, Hepatitis, Tetanus, Diphtherie und Polio. Außerdem: Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, für die Regenzeit ein Antimückenmittel, Tabletten gegen Darminfektionen

Reisezeit:
Die klimatisch besten Monate sind von November bis Mai (Trockenzeit und Hochsaison)

Unterkunft:

Tumani Tenda Eco Tourism Camp c/o P. O. Box 4587 Bakau, The Gambia, www.asset-gambia.com . Vollpension 8 Euro am Tag

Das Safari Garden Hotel ist ein angenehmes kleines Hotel mit 18 Zimmern in Fajara, www.gamspirit.com

Agenturen in Gambia:

Gambia Tours (P. O. Box 217, Banjul, The Gambia, www.gambiatours.gm ) veranstaltet unter anderem eine Tour nach Banjul und Serrekunda, einen Bootsausflug nach Juffure sowie zur alten Sklaveninsel James Island und eine einwöchige Tour durch Gambia und Senegal

Bootsfahrten auf dem Gambia-Fluss mit Gambia River Excursions (E-Mail: gamriv@gamtel.com ). Eine Tour mit Ausflügen führt von der Lamin Lodge 300 Kilometer flussaufwärts nach Georgetown zum Jangjang Burreh Camp, Übernachtung auf der Piroge unterm Moskitozelt

Literatur:

Andrew Burke/David Else: "The Gambia & Senegal"

Lonely Planet 2002, 336 Seiten, 18,70 Euro (in Englisch)

"Westafrika – Band 1 Sahelländer" (u. a. Gambia)

Reise Know-how Verlag Därr, Westerstede 2003, 752 Seiten, 25 Euro

Auskunft:
Gambia Tourism Authority, Eigelstein 98, 50668 Köln, Tel. 0221/1607441, www.visitthegambia.com