Die Geschichte der deutschen Gutbanken beginnt mit einer Katastrophe. 1999 geriet das Vorzeige-Institut der ethisch-ökologisch orientierten Finanzszene, die Frankfurter Ökobank, in eine schwere Krise - drei Pleiten unter den drei größten Kreditkunden ließen das Geldhaus zusammenbrechen. Der Traum der politisch-turbulenten achtziger Jahre, eine aus der Friedens- und Umweltbewegung entstandene alternative Bank dauerhaft am Markt zu etablieren, schien vorbei. Mehr als 150 Millionen Euro Kundengelder hatten die 33 Mitarbeiter der Ökobank bis dato eingesammelt - mehr als 18 000 Menschen hatten der Bank ihr Kapital anvertraut. Als das Institut kippte, sprang der Sicherungsfonds des Genossenschaftsverbandes ein.

Was von der Ökobank übrig blieb, gehört seit Frühjahr 2003 zur GLS Gemeinschaftsbank in Bochum. GLS steht für Gemeinschaftsbank für Leihen und Schenken - und dieser Name ist Programm. Die 1974 gegründete GLS-Bank ist tief in der Anthroposophie verwurzelt, und deshalb verzichten viele ihrer Kunden auf die Verzinsung ihrer Einlagen. Wichtiger ist ihnen, genau zu wissen, was mit ihrem Geld passiert. Und das wird - ungewöhnlich für eine Bank - sogar öffentlich dokumentiert: Einmal im Vierteljahr drucken die Bochumer in ihrer Zeitschrift Bankspiegel die Liste aller im Quartal neu vergebenen Kredite ab. Nur solche an Privatkunden bleiben außen vor. Zwischen Juli und September 2003 unterstützte die GLS Bank unter anderem das Kinder & Jugend-Museum am Prenzlauer Berg in Berlin, gab Geld für eine Fotovoltaikanlage des Naturschutzbunds auf Rügen und finanzierte die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg.

Das Bochumer Institut ist nach eigenen Angaben die größte ethisch-ökologisch orientierte Bank in Deutschland. Die Bilanzsumme des genossenschaftlich organisierten Geldhauses beträgt rund 430 Millionen Euro - nach der Übernahme der Ökobank beschäftigt die GLS Bank mehr als 130 Mitarbeiter. Mit der Integration der alten Ökobank hat man zudem das Angebot abgerundet: Nun gibt es auch ein Girokonto für Privatkunden samt EC-Karte und Kreditkarte.

Knapp die Hälfte aller Deutschen, hat die Beratungsgesellschaft imug herausgefunden, interessiert sich für ethische und ökologische Geldanlagen.

Und immer wieder kursieren in der Szene Zahlen, wie groß der Markt für alternative Geldanlagen in Deutschland denn tatsächlich sei. Zwei Milliarden Euro Anlagevolumen, glaubt etwa die Zeitschrift Finanztest, könnten es schon sein. Wie aber lässt sich der Markt für ethische Investments überhaupt eingrenzen?

Finanztest unterscheidet zwei Kategorien: zum einen die Geldanlage, bei der ein Teil der Rendite für einen guten Zweck gespendet wird - ganz unabhängig davon, wie und in welcher Branche dieses Geld erwirtschaftet wurde. Darunter fallen zum Beispiel die so genannten Spendenfonds, die auch von den Investmentgesellschaften der großen Geschäftsbanken vertrieben werden. Zum anderen gibt es die Geldanlage, bei der die Investoren gezielt ökologisch oder sozial wirtschaftende Unternehmen unterstützen - entweder durch Ökofonds oder die zinsgünstigen Kredite der ethischen Banken.

Seit 1997 finanziert die UmweltBank in Nürnberg ethischökologische Projekte - seit 2001 werden die Aktien der Bank an der Börse gehandelt. Das Geldhaus gehört keinem Konzern, sondern nach eigenen Angaben rund 5000 privaten Aktionären und Gesellschaftern. Die UmweltBank (www.umweltbank.de) ist eine Direktbank ohne Filialen, ihre Bilanzsumme beträgt fast 450 Millionen Euro, das Anlagevolumen mehr als 290 Millionen. Das Institut, das rund 100 Mitarbeiter beschäftigt, bietet kein Girokonto. Vielmehr versteht man sich als eine Art großer Fonds: Mit dem Geld, das die Bankkunden anlegen - zum Beispiel auf dem Tagesgeldkonto oder im Sparbrief -, haben die Nürnberger nach eigenen Angaben deutschlandweit bisher 2300 Projekte gefördert.