Februar 1982: Fritz Teufel, allseits bekannter Politclown, und Hans Matthöfer, Finanzminister, diskutieren in der Talkshow 3 nach 9 über Gutes Benehmen. Als Teufel eine Spielzeugpistole auf den Tisch legt, stürmen Polizisten mit Maschinengewehren herbei. Die Fernsehzuschauer sehen die Polizisten nicht, auch nicht das auf dem Boden liegende Studiopublikum. Sie sehen Teufel, der Matthöfers Anzug mit Tinte bespritzt. Der überschüttet Teufel mit einem Glas Wein. Als Matthöfer an seinem Anzug herunterblickt, ist der Fleck weg. Teufel hatte Zaubertinte benutzt.

Mit diesem Auftritt sorgte Teufel ein letztes Mal für Furore. Knapp 14 Jahre lang stand das Gründungsmitglied der Kommune 1 im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Diese Zeit bildet auch den Nukleus der ersten Fritz-Teufel-Biografie, die Marco Carini geschrieben hat. Vom Pudding-Attentat auf den US-amerikanischen Vizepräsidenten Humphrey und den Anti-Schah-Protesten 1967 bis zur Entführung des Berliner CDU-Politikers Peter Lorenz 1975 wurden Teufel zahlreiche Delikte zur Last gelegt. Etwa acht Jahre verbrachte er im Gefängnis – und in Gerichtssälen.

1967 lagen gegen ihn gleich mehrere Anklagen vor, eine davon, wegen der Proteste gegen den Schah-Besuch, wird am Moabiter Kriminalgericht verhandelt. "Na ja, wenn’s der Wahrheitsfindung dient" – mit dieser spontanen Reaktion auf die Aufforderung aufzustehen, als der Vorsitzende Richter erscheint, schreibt Teufel Rechtsgeschichte. Von nun an nutzte er alle Verhandlungen zur Karikierung der Machtrituale. Den Anfang machte das so genannte Moabiter Volkstheater: Noch im Duett mit Mitkommunarde Rainer Langhans treibt er Richter und Staatsanwalt im Prozess gegen inkriminierende Inhalte der Kommune-1-Flugblätter an den Rand der Verzweiflung. Die Angeklagten sammeln Ordnungsstrafen wie Trophäen, die Medien greifen dieses Spektakel begierig auf.

Im Lorenz-Drenkmann-Prozess schließlich, der Anklage gegen verschiedene mutmaßliche Mitglieder der "Bewegung 2. Juni", wegen Ermordung des Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann, der Entführung des Berliner CDU-Politikers Peter Lorenz sowie verschiedener Banküberfälle, legte Teufel ein anderes Verhalten an den Tag. Nach fünf Jahren Untersuchungshaft präsentierte er überraschend ein Alibi. Die Bundesanwälte, die in ihren Plädoyers 15 Jahre Haft gefordert hatten, waren sprachlos. Früher alles andere als öffentlichkeitsscheu, verweigert sich Teufel heute einer medialen Aufbereitung seiner Vita. Auch diese Biografie musste ohne seine Mitwirkung auskommen. Sie kann daher auch nicht mit überraschenden neuen Details aufwarten. Dennoch gelingt es Carini, markante Eckpunkte bundesrepublikanischer Protestgeschichte zusammenzufassen.

Als dem gesundheitlich Angeschlagenen im Jahre 2001 Mäzene aus dem Kulturbetrieb mit dem "Wolfgang-Neuss-Preis für Zivilcourage" unter die Arme greifen wollten, wehrte sich Teufel gegen das Abfeiern der eigenen Geschichte. Während sich der Laudator Christian Ströbele bemühte, Teufels Aktionen zivilgesellschaftlich zu adeln, fand der passionierte Fahrradkurier nur Worte über die "autoverseuchte Stadt", durch die er sich mit seinem Velo quälen müsste. Er hinterließ eine ratlose Festgesellschaft. Auch ihnen machte Teufel einen Strich durch die Rechnung – wie damals den Richtern und Staatsanwälten.