Der Lehrstuhl, den ihm die Konstanzer später anvertraut haben, ist ein "außerplanmäßiger". Als apl. Professor muss er nur zwei Stunden pro Woche unterrichten. "Ich kann auch mehr, aber warum?", fragt er. Forschung würde nur seinen Auftrag behindern, den Gegen-Schwanitz bremsen. Andererseits ist er aber auch "dankbar, dass ich die Vorlesung halten muss". So kommt Stoff zusammen. Denn zur Vorbereitung der Kurse recherchiert er stets kurzerhand den Inhalt seines nächsten Buchs. Die Vorlesungen macht er zu Vorpremieren, die Hörer zum Testpublikum. Folglich kennen die 15 bis 20 Studenten in seinen Seminaren auch schon sein nächstes Buch Einstein, Hawking, Singh & Co – Bücher, die man kennen muss. Den neuen Fischer, der im März auf den Markt kommt, haben sie längst vom Professor vorgelesen bekommen.

Zur Freude der Zuhörer würde er auf der Bühne sogar tanzen

Weit nach Mitternacht gerät nun doch die eine oder andere Silbe ins Schlingern. Noch aber ist die Wundertüte Fischer nicht leer. Erstaunlich, was ein Mensch wissen kann! "Wenn Sie mich als Außenstehender beschreiben möchten", sagt Fischer, dann wären zum Beispiel folgende Elemente bezüglich seiner Person zu berücksichtigen. Er diktiert: "Mehrere Verlage buhlen um ihn. Mehrere Museen wollen mit ihm zusammenarbeiten. Er ist Berater einer Rückversicherung. Er macht wissenschaftliche Weiterbildung von Erwachsenen." Die Kellnerin mischt sich ein, stellt Biere ab. Fischer hält im Fuchteln inne, bis das Glas sicher steht. Dann geht’s weiter, nun in der ersten Person: "Ich bin der Bildungsexperte von Schulämtern und Rektorenkonferenzen. Und ich bin wahrscheinlich der Mann, der am meisten Firmengeschichten geschrieben hat, nämlich drei."

Fischer zuzuhören hat etwas vom Fahren auf einer Achterbahn inklusive abrupter Richtungswechsel. Die Frage nach den Zeichnungen auf seiner Krawatte löst einen Vortrag über Leonardo da Vinci aus. Die Erkundigung nach seinem Wohnsitz in der Mozartstraße aktiviert den Impressionisten. Umgehend ist der Münchner Bierkeller erfüllt vom gleißenden Licht über dem Bodensee. Der Zigarettenrauch der Kneipennacht duftet nach Herbstlaub und dunkler Gartenerde, und spürbar kommen, wie fast täglich zwischen 15 und 16 Uhr, die Winde auf dem See vor dem Fenster zur Ruhe. "Dann ziehe ich die Jacke an, setze mich nach draußen und denke: Das ist mein Teil des Lichts."

Es geht Ihnen nicht schlecht, Herr Fischer! "Hab ich je etwas anderes behauptet?" Und doch denke er stets, der Erfolg könne morgen schon vorbei sein. "2003 ist das beste Jahr meines Lebens gewesen." Plötzlich bleibt er zwei, drei Sekunden ruhig – Zeit, ihm den Satz zu glauben. "Und wenn es mir doch mal schlecht geht, dann lese ich die Rezension meines Buchs von Elisabeth von Thadden" (ZEIT Nr. 49/01). Fischers schnelle Pointen! Die meisten sitzen auch noch, als die Uhr gegen halb drei geht. Das Personal wünscht sich den Feierabend herbei, die Kellnerin legt die Rechnung hin.

Beim Hinausgehen reicht die Zeit für die Erläuterung des "Gustav-Gründgens-Prinzips". Auch wenn nur sieben Zuschauer im Theaterraum warteten, sagte der Schauspieler vor dem Auftritt in der Garderobe stets zu seinem Spiegelbild, dass jemand im Publikum lange gespart habe, um sich diese eine Vorstellung ansehen zu können. Genauso versteht Fischer seine Arbeit als Dienst an einem Publikum, das unterhalten werden will, für das er alles geben muss: "Wenn ich singen, Flöte spielen, tanzen könnte: Ich würde es tun. Ich würde sogar alle umarmen, damit den Leuten die Vorstellung Spaß macht."

Da kommt das Taxi. Er könne nun, sagt Fischer, problemlos einschlafen. Ja, er sei doch noch ein bisschen müde geworden.