Algier
Männer eilen durch die Gänge, erteilen Anweisungen, bellen Befehle. Pausenlos piepsen Funktelefone. Es herrscht Aufregung am Sitz der Nationalen Befreiungsfront (FLN). Ein Gericht hat die Konten der Partei sperren lassen. Die Löhne der Funktionäre können nicht ausgezahlt werden. Jetzt wird mobilisiert: Vor dem Parlamentsgebäude soll eine Großkundgebung stattfinden.
Doch Ali Benflis, der Generalsekretär der FLN, die vor über 40 Jahren Algerien in die Unabhängigkeit geführt hat, die danach fast drei Jahrzehnte lang einzige Partei im Lande war und die seit den letzten Wahlen im Parlament eine absolute Mehrheit hat, ist die Ruhe in Person. Über seinem mächtigen Schreibtisch hängt das Porträt seines Erzfeindes, des Präsidenten Abdelasis Bouteflika, Mitglied der FLN. "Er glaubt nicht an die Demokratie, er ist gegen den politischen Pluralismus, er ist gegen die Meinungsfreiheit", konstatiert Benflis ganz nüchtern und unaufgeregt, "er will alle Macht für sich allein." – "Aber weshalb haben Sie ihm denn fast drei Jahre lang, bis vor acht Monaten, als Premier gedient?" – "Ich kannte ihn nicht, als ich die Regierung übernahm." – "Aber Sie haben doch schon 1999 seine Wahlkampagne geleitet…" – "Würden Sie Ihre Fragen bitte schriftlich einreichen." Das Interview ist zu Ende.