Die Folge: In Deutschland, aber auch in den meisten europäischen Städten Europas fallen die Mieten für gewerblich genutzte Immobilien. Dem aktuellen Marktindikator von Jones Lang LaSalle zufolge wurden in Dublin zwischen September und November 2003 durchschnittlich 5,5 Prozent weniger für den Quadratmeter Bürofläche in Spitzenlage gezahlt als noch im Vergleichsquartal davor, Mailänder Büromieten schrumpften ebenfalls um 5,1 Prozent. Im Einjahresvergleich büßten Frankfurt und Madrid sogar 15,3 Prozent bei den Spitzenmieten für Büroflächen ein.

…die Mieten sinken…

Sogar in den osteuropäischen Hauptstädten wie Budapest, Moskau, Prag und Warschau fielen die Mieten für Spitzenlagen im dritten Quartal. Lasalle-Analystin Hinrichs geht mittelfristig von weiter sinkenden Mieten aus. Der Grund: "Allein 2003 kamen in den zwölf wichtigsten europäischen Märkten eine Million Quadratmeter Bürofläche mehr auf den Markt als gemietet wurden." Da der Immobilienmarkt der konjunkturellen Entwicklung in der Regel immer etwas zeitversetzt folgt, werde sich der Markt frühestens in zwei Jahren wieder fangen, so Hinrichs.

Eine aktuelle Studie der Deutschen Bank geht da noch weiter. Sie zeichnet für die nächsten Jahrzehnte ein düsteres Bild. Der demografische Schwund in Europa werde von einem noch viel drastischeren Schwund an gemieteter Bürofläche begleitet – insbesondere in Deutschland –, so die Deutsche-Bank-Experten. Die hiesigen "Büromärkte werden früher und heftiger von der demografischen Entwicklung betroffen sein, da das Erwerbspersonenpotenzial bereits ab 2020 spürbar schrumpft." Daneben gibt es aber noch weitere Indizien, die gegen eine Erholung des Büroimmobilienmarkts sprechen.

"Ist es nicht seltsam, dass so viele Leute täglich ins Büro gehen, nur um auf einen Bildschirm zu schauen, der auch zu Hause stehen könnte?" fragte Nicholas Negroponte einst. Der Leiter des Media Lab am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat schon vor zehn Jahren seinen Schreibtisch abgeschafft und benötigt nach eigener Aussage kein Büro mehr. Damit ist er Pionier eines Trends, der sich in den vergangenen Jahren beschleunigt hat. Die Analysten der Deutschen Bank zählen derzeit 500000 Telearbeiter in Deutschland und erwarten eine Vervierfachung dieser Zahl bis zum Jahr 2020. Das würde die benötigte Bürofläche um etwa sechs Prozent senken.

Mit dieser Annahme bleibt die Deutsche Bank sogar noch weit hinter anderen Prognosen zurück. Eine Erhebung der Bonner empirica Gesellschaft für Kommunikations- und Technologieforschung mbH ergab, dass bereits etwa 21 Millionen Menschen in der Europäischen Union am heimischen PC arbeiten, sechs Millionen davon in Deutschland – also mehr als 16 Prozent der Erwerbstätigen. Der Befragung zufolge hat sich innerhalb der vergangenen drei Jahre die Zahl der Menschen, die zumindest teilweise von daheim oder von unterwegs aus arbeiten, in der EU verdoppelt, in Deutschland sogar fast verdreifacht. Diese Zahlen werden jedoch nicht vollständig erfasst, weil viele Telearbeiter noch ein Büro im Unternehmen haben.

…nur Telearbeit wächst…