Die Industrie sagt, sie erleichtere Köchen die Arbeit. Der Gourmetkoch Ernst-Ulrich Schassberger aus dem schwäbischen Ebnisee aber kritisiert, dass wegen derlei vorbereiteter, pulverisierter und gefriergetrockneter Nahrungsmittel "immer mehr Aromastoffe, Geschmacksverstärker und Farbstoffe die Zutaten unserer Ernährung sind". Schassberger und seine Vereinigung Eurotoques streiten für den Erhalt der Koch- und Esskultur und gegen eine Lebensmittelproduktion in "Frankensteins Labor" (siehe Interview Seite 20).

Restaurantbesucher, die es wissen wollen, können sich immerhin an eine Faustregel halten: Je umfangreicher die Speisekarte, desto wahrscheinlicher stammen die Gerichte aus der Industrieküche. Entsprechende Nahrungsmittel lassen sich so lange auf Vorrat halten, bis sie tatsächlich bestellt werden.

Wachstum von morgen. Die Nahrungskette ist inzwischen so weit industrialisiert und rationalisiert, dass sich in der Herstellung kaum noch sparen lässt. Die essbaren Rohstoffe sind bekannt und werden lediglich variiert. Mittlerweile sind neue Ideen für die Zukunft so rar, dass Größen wie der deutsche Unilever-Chef Lindenberg fragen: "Kann es uns noch schlechter gehen?"

Die klassische Wachstumsstrategie findet ihre Grenze in der Dehnbarkeit der Bäuche. Zwei Drittel der männlichen und die Hälfte der weiblichen Bevölkerung Deutschlands sind übergewichtig oder fettleibig, berichtet das Robert Koch-Institut. In den Vereinigten Staaten ist die Lage noch katastrophaler.

Nur sind die Unternehmen dort einen Schritt weiter. Kraft Foods gehört zu den Ersten, die sich mit der Tatsache abgefunden haben, dass der Mensch kein unendlich füllbares Gefäß ist. Der Produzent von Philadelphia, Milka und Miracoli will innerhalb von drei Jahren seine Packungsgrößen verkleinern und mehr Umsatz mit weniger Nahrung machen. Mit einer ähnlichen Strategie ist Atkins aus Long Island bereits erfolgeich (siehe Seite 21). Das Unternehmen verkauft Lebensmittel, von denen man nur wenig essen kann – weil sie schneller satt machen. Dafür zahlen die Kunden freiwillig mehr, aus Angst vor den Folgen der Völlerei. Und Atkins legt die Vermutung nahe, dass die Zukunft der Massenverpflegung wohl nicht in einem Zurück-zur-Natur liegt, sondern in Essen mit noch mehr High Tech.