Manchmal ruft die Redaktion an, und der Ressortleiter sagt: "Wir machen eine Ausgabe über Gentechnik. Schreib also bitte was mit Gentechnik drin." Ich würde dann gerne sterben. Ich weiß doch gar nichts über Gene. Ich sage beim Frühstück: "Ich bin eine Schreibhure. Für Geld mach ich’s mit jedem Thema." Die anderen wissen dann, dass wieder eine Themennummer dran ist. Diesmal sollte es was über Schnee sein.

Einmal habe ich über Penisvergrößerungsangebote im Internet geschrieben. Es gab keine Themenausgabe dazu, sondern es war einfach so. Jetzt war ich beim Festival "Maulhelden" in Berlin. Jeder deutsche Kabarettist und jede Wortkünstlerin hat inzwischen eine Internet-Penisvergrößerungsnummer im Programm. Sogar eine Engländerin. Penisvergrößerung ist ein künstlerisches Klischee geworden wie früher der röhrende Hirsch auf den Ölbildern. Der Sänger Manfred Maurenbrecher war auch da. Ich verehre diesen Mann. Er sagte, dass er sich an den Schreibtisch setzt und sagt: "So, über die erste Sache, die ich sehe, wenn ich aus dem Fenster kucke, schreibe ich jetzt ein Lied." Er sah einen alten Mann mit Fahrrad. Das Lied war schön. Aber einige Leute pfiffen.

Überall in der Wohnung sind Bücher. Ständig kommen neue hinzu. So manches Buch lege ich nach wenigen Seiten weg. Ich denke dann: "Das Buch und ich, wir passen zueinander wie Prinz Charles und Diana. Die Beziehung würde böse enden." In anderen Fällen denke ich: "Dich lese ich ganz auf die Schnelle, Gevatterchen, weil ich dein Wissen brauche, danach aber werde ich dich nie wieder zur Hand nehmen, denn du langweilst mich zu Tode, weißt du." Ich bin zum Antiquar gegangen. Er will nur gute Bücher haben. Auf schlechte Bücher könne er verzichten. Der Antiquar tickt genauso wie ich.

Wir haben einen Kamin. Da habe ich die Bücher halt verbrannt.

Jeder kennt den Satz: "Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Er ist von Heinrich Heine. Ich dachte: "Wegen eines Heine-Zitats bewahre ich seit Jahrzehnten Einführung in die Linguistik auf?" Zuerst brannte ein Stapel Reiseführer von Ländern, die es nicht mehr gibt. Dann übergab ich den Flammen sämtliche Werke, die ich aus Uni-Zeiten zum Thema Linguistik habe. Schließlich wurden alle Kriminalromane, deren Lektüre ich auf halber Strecke abgebrochen habe, ein Raub des Feuers. Es wurde warm in der Stube. Ein Unbehagen blieb.

Fest steht: Wir werden niemals, unter keinen Umständen, in unserem Kamin Linguisten verbrennen, nicht einmal Reiseschriftsteller. Heine irrt. Oder er wurde zu oft zitiert. Ich dachte: Heine hat das gleiche Schicksal wie die Penisvergrößerung. Jetzt muss ich nur noch Schnee in die Geschichte reinbringen.