Columbia, South Carolina
Die Suche nach einem Gegenkandidaten für George Bush entwickelt sich zum Dauerdrama. Am Dienstag haben sieben weitere Bundesstaaten gewählt, aber der Wunsch der Parteiführung nach schneller Entscheidung erfüllt sich nicht. Zwar bleibt John Kerry, der Senator aus Massachussetts, der klare Favorit. Er gewinnt fünf Staaten und damit die meisten Delegierten. Aber Begeisterung und Momentum erzeugt an diesem Abend John Edwards, der sich nun als Herausforderer etabliert hat. Er gewinnt South Carolina so deutlich, dass Spitzenreiter Kerry aufmerken muss. Und in Oklahoma hat Edwards den Sieg nur um wenige Stimmen verpasst. Edwards ist der Mann, der dem Spitzenreiter an den Fersen klebt.

Mit diesen beiden Senatoren haben die Wähler in den kommenden Wochen nun eine klare Alternative. Hier der jungenhafte und charismatische, dort der ernsthafte und erfahrene Kandidat. Kerry ist der Mann, der den Demokraten die Gewissheit gibt, es mit George Bush und dem ganzen Apparat des Konservatismus aufnehmen zu können. Edwards wirkt wie der neue Kennedy, ein Mann, der dem Land das Gefühl unbegrenzter Möglichkeiten zurückgibt.

Seit Dienstag abend sind zehn Prozent aller Delegierten für den Parteikonvent vergeben. Erstmals ist die Wählerschaft nicht homogen gewesen wie in Iowa und New Hampshire, sondern so bunt wie ganz Amerika. In Arizona und New Mexico sind Latinos eine Macht, in South Carolina und Delaware Schwarze, in Missouri die Traditionsgewerkschaften stark und in North Dakota die Bauern. John Kerry hat gezeigt, dass er in allen Landesteilen und allen Bevölkerungsschichten ankommt. Und die Organisationskraft besitzt, auf einem ganzen Kontient gleichzeitig Menschen um sich zu versammeln. Nach einer Umfrage vom Dienstag wären 80 Prozent der Demokraten mit seiner Kandidatur zufrieden. Das klingt nach Vorentscheidung.

Allerdings offenbart die Dienstagswahl auch John Kerrys wichtigste Schwäche. Er hat in South Carolina deutlich verloren, weil er bei konservativen Demokraten schwächelt. Über die eigene Partei hinaus in der Mitte der Gesellschaft attraktiv zu sein, ist aber Voraussetzung eines Wahlsieges gegen George Bush. Bei Unabhängigen und Zentristen schneidet John Edwards besser ab. Ebendies ist sein Argument: er könne gewinnen, meint er, wo Kerry es nicht kann. Edwards größte Stärke ist seine Fähigkeit, Menschen zu begeistern. Seine Siegesrede vom Dienstag abend in South Carolina ist nach Einschätzung amerikanischer Analytiker das stärkste Stück politischer Rhetorik seit vielen Jahren gewesen. Es erinnert an die besten Auftritte Bill Clintons und John Kennedys. Es scheint, als habe John Edwards mit seinem Populismus einen Ton getroffen, der mehr als nur die linke Hälfte Amerika anspricht.

Allerdings hat Edwards ein Problem. Und das heisst Clark. Wie gerne würde Edwards das Rennen als Zweikampf darstellen und sich selbst als Aussenseiter. Doch da ist noch Wesley Clark. Der General hat mit Oklahoma seinen ersten Staat gewonnen und wird so schnell nicht aufgeben. Wie Edwards stammt Clark aus den Südstaaten. Er spricht dieselbe politisch gemässigte Klientel an. Beide werden sich nun auf die Wahlkämpfe in Tennessee und Virginia konzentrieren und sich dort am Ende die Wähler gegenseitig wegnehmen – zur Freunde des Spitzenreiters Kerry. Wenn das geschieht, könnte die Parteiführung doch noch recht behalten. Dann nämlich fällt bald die Entscheidung.