Viele Reisende verirren sich nicht erst an fremden Orten, sondern schon auf dem Weg dahin. Denn an vielen Flughäfen und Bahnhöfen herrscht das Chaos. Paul Mijksenaar schafft dort Ordnung. Der 59-jährige Holländer hat sich mit seinem Amsterdamer Büro auf das Anbringen von Wegweisern in öffentlichen Gebäuden spezialisiert. Wer auf Flughäfen wie denen von New York, Dallas oder Rotterdam die Orientierung behält, verdankt das Mijksenaars Hilfen. Ulla Hanselmann traf den Informationsdesigner auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol, den er mit seinen 16 Mitarbeitern ausgeschildert hat und der seither als der benutzerfreundlichste Airport der Welt gilt.

Die ZEIT: Herr Mijksenaar, Sie sind sicher jemand, der mit der Orientierung keine Probleme hat.

Paul Mijksenaar: Von wegen. Ich verlaufe mich sehr leicht. Erst neulich konnte ich bei Ikea in Amsterdam den Ausgang nicht finden. Ich hasse das. Entweder fühle ich mich dumm, weil ich vergessen habe, mich vorher zu informieren. Oder ich ärgere mich über die Arroganz der Bauherren, die es nicht für nötig erachten, verständliche Wegweiser aufzustellen. Andererseits sind solche Momente hilfreich für meinen Job. Da muss ich mich auch in die Rolle des ahnungslosen Reisenden versetzen.

Die ZEIT: Heutzutage ist man schnell ahnungslos. Wie oft man auch reist, wird man doch jedes Mal nervös, wenn man einen Flughafen betritt.

Mijksenaar: Tatsächlich fällt uns die Orientierung immer schwerer, denn Gebäude wie Flughäfen oder Bahnhöfe haben sich zu hoch komplexen Strukturen entwickelt. Sie sind richtige kleine Städte mit Läden, Restaurants, Hotels und Lounges geworden.

Die ZEIT: Deswegen brauchen wir Schilder. Wie kann man so kurz und universell verständlich wie möglich den Menschen zeigen, wo es langgeht?

Mijksenaar: Zunächst muss gesagt werden: Die besten Wegweiser können ein krankes Gebäude nicht heilen. Je komplexer Gebäude werden, desto wichtiger ist es, dass die Architektur ihre räumlichen Funktionen hervorhebt, dass man also gleich erkennt, wo der Eingang, wo eine Treppe ist. 

Die ZEIT: Heißt das, die Architektur steht der Orientierung im Weg?

Mijksenaar: Sehr oft. Norman Fosters ästhetisch gelungener Flughafen in London-Stansted zum Beispiel. Er ist quadratisch. Aus Untersuchungen wissen wir aber, dass sich Menschen in quadratischen Gebäuden schlechter orientieren können. Wir wissen auch, dass es hilft, wenn sich einzelne Gebäudeteile anhand von Materialien, Farben und Möbeln unterscheiden lassen. Architekten haben häufig den Gesamteindruck ihrer Gebäude im Blick und nicht die Menschen, die sie nutzen. So empfinden sie auch Schilder oft als ästhetisch störend.