Dass die Erde keine Scheibe ist, hat sich weitgehend herumgesprochen. Die meisten wissen auch, dass unser Globus keine Kugel ist, sondern durch die Rotation zu einem Ellipsoid abgeflacht ist – der Abstand zwischen Nord- und Südpol ist um etwa 0,3 Prozent kürzer als der Durchmesser am Äquator. Aber auch die Ellipsoidform ist nicht exakt: Selbst wenn die ganze Erde mit Wasser bedeckt wäre, man die Gezeitenkräfte vernachlässigen könnte und der Ozean völlig still wäre, ergäbe sich kein sauberes Ellipsoid, sondern eine kartoffelartige Gestalt mit Beulen und Tälern von bis zu 100 Meter Höhe oder Tiefe, die als Geoid bezeichnet wird. Der Grund dafür sind Schwankungen in der Gravitation – die Masse der Erde ist nicht gleichmäßig verteilt.

Angaben für die Höhe über dem Meeresspiegel beziehen sich immer auf einen Punkt auf dieser Kartoffel-Oberfläche, und sie sind noch dazu historisch irgendwann einmal festgelegt worden, weil die Meereshöhe nicht nur zwischen Ebbe und Flut schwankt, sondern auch längerfristig. Deutsche Vermesser beziehen sich auf einen Punkt bei Hoppegarten östlich von Berlin, dessen Höhe einmal mit 54,638 Metern festgelegt wurde, die Schweizer auf einen Pegel in Marseille und die Österreicher auf eine Marke in Triest. Es gibt also tatsächlich verschiedene Meeresspiegel, und es ergeben sich für einen Ort an der deutsch-schweizerischen Grenze unterschiedliche Werte, je nachdem, auf welchen Pegel man sich bezieht.

Den Brückenbauern in Laufenburg war dieser Unterschied bekannt – sie haben ihn nur in die falsche Richtung korrigiert, sodass sich eine Abweichung von 54 Zentimetern ergab. Christoph Drösser

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