DIE ZEIT: Herr Generalstaatsanwalt, Sie haben nach eigener Prüfung soeben entschieden, dass das Verfahren wegen Datenlöschung und Aktenklau im ehemaligen Kanzleramt von Helmut Kohl ein für allemal eingestellt bleibt. Sie kommen damit zum gleichen Ergebnis wie die Bonner Staatsanwälte, die dieses Verfahren schon vor drei Jahren schließen wollten. War also der Verdacht, in der Regierungszentrale von Helmut Kohl sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen, an den Haaren herbeigezogen?

Georg Linden: Nein, so kann man das nicht sagen. Die Bonner Staatsanwaltschaft, deren Ergebnisse ich überprüft habe, hat zu Recht festgestellt: In Sachen Datenlöschung gibt es keinen hinreichenden Tatverdacht. Das heißt, der Anfangsverdacht hat sich nicht erhärtet. In Sachen Aktenvernichtung besteht weitgehend kein Anfangsverdacht.

Dennoch: Der Vorwurf, der Verdacht gegen das Kanzleramt sei an den Haaren herbeigezogen, ist in dieser Form nicht gerechtfertigt.

ZEIT: Aber haben die Bonner Staatsanwälte nicht Recht behalten? Sie wollten bereits 2001 einstellen und mussten nur auf heftigen öffentlichen Protest hin weiter ermitteln. Hätte man sich diese Kosten und Mühen nicht ersparen können?

Linden: Diesen Schluss kann man nur ziehen, wenn man allein auf das Ergebnis schaut, denn es bleibt bei der Einstellung des Verfahrens. Gleichwohl war es völlig richtig, dass die Bonner Staatsanwaltschaft nach dem Aufruf des Freiburger Politologen Wilhelm Hennis in Ihrer Zeitung und den Protestschreiben von etwa 12000 Bürgern die Ermittlungen fortgeführt hat. Man hätte die Akten nicht so schnell schließen sollen.

ZEIT: Warum nicht?

Linden: Weil der Eindruck entstanden war, es sei lückenhaft recherchiert worden. Dieser Eindruck durfte nicht bestehen bleiben. Die weiteren Ermittlungen haben der Sache gedient und größere Klarheit geschaffen.