Hinter solchen Zweifeln steht die Meinung, das gültige Steuersystem sei so verkorkst, dass es gar nicht reformierbar sei. Ein Trugschluss mit populistischer Absicht. Weg damit und alles einfacher – das macht Eindruck beim Wähler. Selbstverständlich lässt sich die lange Liste der Ausnahmen und Vergünstigungen ausmisten. Die Steuererklärung kann man bereits mit geringem Aufwand vereinfachen. In Nordrhein-Westfalen wird das gerade mit einer auf zwei Seiten begrenzten Erklärung ausprobiert.

Die grundlegende Reform des Steuerrechts bleibt also ein lohnendes Projekt. Dabei sind, so haben es die Länderfinanzminister behutsam formuliert, "die Auswirkungen auf Steuerbürger und auf die öffentlichen Haushalte zu beachten". Keines der vorliegenden Modelle erfüllt diesen Anspruch.

Steuern sind die Grundlage für unzählige Entscheidungen von Individuen, Haushalten und Unternehmen. Wer den Bürgern vormacht, sie wachten eines Tages mit einem Steuersystem auf, das ihnen nicht weh tut, der täuscht sie. Und der Wirtschaft ein System vorzusetzen, das ihr von jetzt auf nachher ein völlig neues Koordinatensystem für ihre Entscheidungen beschert, wäre unverantwortlich. Eine Radikalreform muss vielmehr dem Grundsatz gehorchen: je einfacher das Ergebnis, desto gründlicher die Vorbereitung.