Sicher ist es zutreffend, dass US-Bürger mehr auf Eigeninitiative bauen, als dies in Deutschland üblich ist, und das verdient Respekt. Die Kehrseite ist aber, dass diejenigen, die an den Herausforderungen ihres Lebens scheitern, kaum staatliche Unterstützung erwarten können - dass darunter "Kinderfreundlichkeit" und "Familienzusammenhalt" leiden, zeigen die exorbitanten Scheidungsraten, die hohe Kinderarmut und die Jugendkriminalität in den USA.

Die Behauptung, dass kostengünstige Kinderbetreuung "in Form von Einwanderern und Illegalen" leicht zu haben ist, weil diese "auch lange Arbeitstage bei geringer Bezahlung in Kauf nehmen", verharmlost in geradezu zynischer Weise die harten Arbeitsbedingungen der Hausangestellten. Viele dieser unterbezahlten nannies opfern die Erziehung ihrer eigenen Kinder dem dringend nötigen Einkommen. Warum hat sich die Autorin nicht die Mühe gemacht, einmal die Perspektive der nannies einzunehmen, anstatt sie nur als kostengünstige Ressource zu behandeln?

Susanne Zwingel derzeit Washington, D.C.