Ausgerechnet vor der wichtigsten Automesse des Jahres häufen sich die schlechten Meldungen. "Die Auftragsbestände in der Branche sind die niedrigsten seit zehn Jahren", sagt Audi-Vertriebsvorstand Ralph Weyler. Alle Händler, beobachtet Ferdinand Dudenhöffer vom Prognose-Institut B&D-Forecast, leben derzeit "von der Hand in den Mund". Und Volkswagen verkündete jetzt ein drastisches Sparprogramm von zwei Milliarden Euro bis Ende 2005 – weil der Autoverkauf so schleppend läuft.

Der Autosalon von Genf, der in dieser Woche beginnt, spiegelt die Stimmung der ganzen Branche. Mit einer großen Modelloffensive wollen die Hersteller beweisen, dass das Jahr 2004 für sie noch nicht abgeschrieben ist. Doch gerade bei den deutschen Autofirmen liegt einiges im Argen.

Seit vier Jahren kaufen die Deutschen immer weniger Autos: Von 3,8 Millionen neu zugelassenen Wagen im Rekordjahr 1999 fiel die Zahl auf magere 3,2Millionen im vergangenen Jahr. Im Januar brachen die Pkw-Zulassungen nochmals um mehr als 12Prozent ein; der Februar lief kaum besser. Durchschnittlich acht Jahre alt sind die Fahrzeuge auf den Straßen zwischen Rostock und Rosenheim – so lange haben die Deutschen ihre Autos noch nie gefahren.

In den vergangenen Jahren konnten Hersteller wie VW, Audi, Mercedes, BMW oder Porsche die Flaute im Heimatmarkt zwar durch Zuwächse in den USA oder Asien – insbesondere im Boommarkt China – relativ gut wegstecken. Auf Dauer aber brauchen sie mehr Absatz in Deutschland und Europa, um ihre Fabriken auszulasten. Allein der VW-Konzern könnte in seinen Fabriken eine Million Autos mehr produzieren. Die Folge der schlechten Auslastung: Rabatte auf Neuwagen überall.

Nach einer Untersuchung des Prognose-Instituts B&D-Forecast sind 10 Prozent Preisnachlass mittlerweile keine Ausnahme mehr, und bisweilen sind sogar 15 Prozent drin. Selbst die lange verschonten so genannten Premiummarken wie BMW oder Mercedes müssen ihren Kunden für einige Produkte bislang ungewohnte Preisnachlässe gewähren. Das gilt vor allem für Modelle, die länger auf dem Markt sind oder deren Ablösung absehbar ist – etwa die BMW-3er-Reihe oder die Mercedes-A-Klasse.

Ein probates Mittel, dem Preisverfall entgegenzuwirken, schienen bislang neue Modelle: Doch spätestens beim im Herbst angelaufenen Golf V zeigt sich: Auch dieses Rezept geht nicht mehr automatisch auf. Nachdem der Verkauf des Golf V nicht wie erhofft ansprang und Erzrivale Opel für seinen im März debütierenden Astra mit deutlich niedrigeren Preisen und einem Frühbucherrabatt antritt, reagierte VW mit der kostenlosen Dreingabe einer Klimaanlage – ein indirekter Preisnachlass von stattlichen 1225 Euro.

Noch hält VW-Chef Bernd Pischetsrieder am Verkaufsziel von 600 000 Golf für das Jahr 2004 fest. Aber schon verlangen die VW-Händler hierzulande – trotz der Klimaanlagenaktion – weitere Preisreduzierungen. Ohne generellen Aufschwung jedenfalls droht in Deutschland nicht nur den angeschlagenen Herstellern wie Ford und Opel, sondern auch VW, Audi, Mercedes und BMW ein bitteres Erwachen.

Die anhaltende Werbeoffensive der Importeure macht den Konkurrenzkampf noch härter. Gemessen am Aufwand pro verkauftem Auto, belegen die ausländischen Marken klar die vorderen Plätze (siehe Tabellen). Ihren Anteil am gesamten deutschen Anzeigenkuchen für Autos weiteten sie seit 2001 kontinuierlich von 52,9 auf 57,1 Prozent aus. Parallel dazu stieg der Verkauf: Importfahrzeuge steigerten den Marktanteil von 33,7 auf 35,5 Prozent.